Aussichtslose Entscheidungen – „Das bringt doch alles nichts“

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Manchmal stecken wir in einer Situation, in der alles, was wir versucht haben, zu nichts geführt hat. In Gesprächen darüber heißt es dann häufig: „Das bringt doch nichts, das habe ich doch schon alles versucht, das kann man vergessen.“

Heike will wieder einsteigen

Heike möchte (muss) nach einer längeren Familienzeit (2 Kinder) und einer schwierigen Trennung wieder in ihren Beruf als Buchhändlerin einsteigen. Seit Monaten schreibt sie Bewerbungsschreiben, registriert sich in Internet-Jobbörsen, klappert Buchhandlungen in der Nähe ab. Ohne Erfolg. Überall erklärt man ihr, dass der Buchhandel im Sterben ist und kontinuierlich Stellen abgebaut werden. Einige Male ist sie bis zu einem Vorgespräch vorgedrungen, hatte aber gegenüber jüngeren Mitbewerberinnen mit aktuellem Fachwissen und Top-Computerkenntnissen letztlich keine Chance. Nach der 50sten Absage resigniert sie – zu alt, zu lange raus aus dem Beruf, zu geringe Computererfahrung, zu wenig verkaufsorientiert, zurückhaltend, zu altmodisch. Und etwas anderes als Buchhändlerin traut sie sich nicht zu.

Aussichtslos? Drei Fragen helfen weiter!

1. „Gab es bei all den Bewerbungsbemühungen eine Situation, die etwas anders war als gewöhnlich?“

Heike verneint diese Frage zunächst. Nach einigem Überlegen schildert sie doch eine Situation, in der der Buchhändler im Bewerbungsgespräch überrascht war, wie sehr Heike sich mit Kinderliteratur in Spanisch auskannte (das kam durch Zufall zur Sprache). Für Heike war das damals eher peinlich, da sie in den Bewerbungen die Trennung von ihrem spanischen Mann ängstlich verschwiegen hatte. Eine Stelle hatte der Buchladen natürlich auch nicht.

2. „Was war in diesem Gespräch anders?“

Anders als sonst wurde eine Stärke sichtbar, wo in den übrigen Gesprächen immer nur die unübersehbaren Defizite im Focus standen. Allerdings dauerte es eine Weile, bis Heike das als tatsächliche Stärke ansehen konnte, da das ganze Thema durch die Trennung schmerzlich besetzt war.

3. „Was könnte man tun, damit diese kleine „Ausnahme“ sich wiederholt“

Heike lässt sich ein letztes Mal auf eine Stellensuche ein und stellt dabei heraus, dass sie sich besonders gut in spanischer Kinderliteratur auskennt. Über drei Ecken erfährt eine von der EU-geförderte Initiative von ihr; die Organisation sucht dringend Beratung im Aufbau von Lesematerial für die deutsch-spanischen Kindertagesstätten und Kindergärten inkl. einer Einführung der Betreuerinnen und interessierter Eltern. Als Honorarkraft (begrenzt auf 9 Monate) fängt sie dort an – mit viel Freude und Erfolg. Ein erster Schritt in eine Berufstätigkeit ist getan…

Lenkung der Aufmerksamkeit auf Möglichkeiten

Die drei einfachen Fragen nach der Ausnahme lenken die Aufmerksamkeit schrittweise weg von der scheinbar aussichtslosen Situation hin zu erfolgversprechenden Möglichkeiten (die Fragen stammen von Steve de Shazer: Der Dreh: Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie

 1. „Gab es eine Situation, in der es etwas anders war als sonst immer?“
 2. „Was war da konkret anders?“
 3. „Was kann man tun, um diese Ausnahme zu wiederholen?“

Haben Sie sich diese Fragen in aussichtslosen Entscheidungssituationen auch schon einmal gestellt? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

 
 
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Das Titelbild ist ein Foto von Mr_Nico / photocase.com und zeigt keine im Artikel erwähnte Person
 
 

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