Eigene Entscheidungen – oder was will ich wirklich?

Entscheidung Was will ich

Bernhard steckt zurück

Bernhard hat das Gefühl, dass er schon lange keine eigenen Entscheidungen trifft. Im Betrieb ist er zum Mitläufer geworden, der sich nicht mehr traut, eigene Vorschläge einzubringen. Die jüngeren Kollegen treten kompetent, selbstsicher und bestimmend auf. Manche Entscheidungen werden dann getroffen, die unüberlegt sind. Bernhard würde auf Grund seiner Erfahrung anders entscheiden, mehr riskieren wollen, neue Wege gehen. Aber in den entscheidenden Sitzungen wird er nicht richtig gehört, („was wollen Sie denn immer?“), resigniert dann und muss mit den getroffenen Entscheidungen leben. Auch privat geht es ihm ähnlich. Seit Jahren schon fährt die Familie ans Meer. Bernhard hat auch Spaß daran, möchte aber auch mal was anderes machen. Aber irgendwie kommt er mit seinem Anliegen nicht durch. Wenn der Familienrat den Urlaub plant, spürt er, dass alle wieder begeistert nach Grottamare an die Adria fahren wollen. Da er keinen konkreten Gegenvorschlag hat und die Familie unbedingt dorthin will, steckt Bernhard auch dieses Jahr zurück…

Was wäre, wenn über Nacht ein Wunder geschähe?

Bernhard trifft einen eigenen Entschluss – er lässt sich auf ein Gedankenexperiment ein:
Stellen Sie sich vor, Sie legen sich abends ins Bett und schlafen in aller Ruhe ein. Am nächsten Morgen wachen Sie auf. Äußerlich ist nichts geschehen, aber über Nacht ist ein Wunder geschehen. Ihr Problem mit den eigenen Entscheidungen ist plötzlich gelöst.
Was wäre dann anders?
Woran würden Sie das merken?
Wer würde es ebenfalls merken? Woran?

Bernhard antwortet spontan:
– Meine Ideen würden bei der Entscheidung für das Projekt Ozelot akzeptiert und ich dürfte die wesentlichen Entscheidungen für das Projekt nach meinen Vorstellungen treffen
– Kollegen und Chef würden sagen: „Was ist mit dem Bernhard los, der kämpft ja plötzlich für seine Ideen“
– Im kommenden Sommer würden wir nicht ans Meer fahren
– Die Familie würde sagen: „Der Papa meint es aber jetzt ernst“

Das Wunder wirkt – 2 konkrete Ziele

Auf „wundersame“ Weise hat Bernhard durch das kleine Gedankenexperiment für sich verstanden, was er eigentlich will, was seine konkreten Ziele sind. Und er formuliert diese daraufhin so:
1. Ich werde für das jetzt anstehende Projekt „Ozelot“ die Teamleitung mit entsprechenden Entscheidungsbefugnissen übernehmen.
2. Ich werde im nächsten Sommer mit meiner Familie nicht mehr ans Meer fahren.

Nach dem Hinweis, dass Zielformulierungen enthalten sollen, was ich will, nicht, was ich nicht will, benennt er das zweite Ziel um:
2. Ich werde im nächsten Sommer mit meiner Familie einen Wanderurlaub machen.

Eigene Entscheidungen und deren Umsetzung

Damit das „Wunder“ auch wirklich Realität wird, sind besondere Anstrengungen notwendig. Mitzumachen und sich zu beklagen ist einfach – leider verliert man dabei das Bewusstsein dafür, was man wirklich will. Das eigene Profil geht verloren.
Ziele zu setzen und sie zu erreichen, fordert Energie und klare Maßnahmen. Im Fall von Bernhard bedeutet das z.B.:

Ein gut durchdachtes Konzept für das Projekt zu erstellen, mit dem Chef die definitiven Rahmenbedingungen vorab zu klären, den Rat der Kollegen einzuholen, an einer Top-Präsentation zu feilen usw. Denn es gilt, den Chef und die Kollegen davon zu überzeugen, dass das Konzept für Ozelot zwar ungewöhnlich ist, aber gut durchdacht und sehr erfolgversprechend ist. Inzwischen ist Ozelot erfolgreich abgeschlossen und Bernhard urlaubsreif.

Diesen Sommer geht es in die Berge ins Berner Oberland an den Thuner See – ein alter Traum von Bernhard. Über diese Urlaubsplanung hat es heftige Auseinandersetzungen gegeben. Inzwischen freuen sich alle auf die bevorstehenden drei Wochen. Denn Bernhard hat während des Winters lange im Netz recherchiert und in der Gegend interessante Aktivitäten aufgetan, nicht nur das „blöde Wandern“(Originalzitat der Kinder, nachdem ein Bergurlaub ins Gespräch kam)….

3 Schritte

1. Das Gedankenexperiment der „Wunderfrage“ kann klären, was man eigentlich will.

2. Aus den ersten hypothetischen Reaktionen, wie „es wäre dann...“, „ich würde dann...“, „andere würden sagen/tun...“, sind dann leicht Ziele zu formulieren, die mit „ich werde tun..." beginnen.

3. Und wer klar sagt, was er will, wird auch die Energie aufbringen, die notwendigen Schritte zu gehen.

Die Wunderfrage stammt von Steve de Shazer:
Der Dreh: Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie

 
 
Zurück zur Startseite: Worum geht es?
 
 
Das Titelbild ist ein Foto von violess / photocase.com und zeigt keine im Artikel erwähnte Person
 
 

2 Gedanken zu „Eigene Entscheidungen – oder was will ich wirklich?“

  1. Sehr geehrter Herr Dobat,

    ich würde mich´freuen wenn sSie michin ihremBlog aufnehmen und ich mehr von ihrer Arbeit erfahre,

    Mit sonnigen Grüßen aus Dortmund

    1. Hallo Frau Strehlau-Kohnen,
      ich nehme Sie gerne in die Liste derer auf, die regelmäßig Informationen über neue Artikel erhalten!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


+ 1 = 8