Entscheidung für den (falschen) Beruf – was tun?

Falsche Entscheidung Beruf

Drei typische Situationen, in denen die Frage nach der Berufsentscheidung eine Rolle spielt

Jemand wechselt die Stelle, weil er /sie unzufrieden ist oder weil mit einer neuen Stelle besser Möglichkeiten oder mehr Verdienst verbunden sind. Das ist heute normal. Immer häufiger jedoch zweifeln Menschen auf Grund ihrer Berufserfahrungen an ihrer grundsätzlichen Berufswahl. Diese Grundsatz-Frage stellt sich besonders an drei Stationen des Berufslebens.

1. Entscheidung für einen Berufsweg nach dem Schulabschluss

Die Schule ist beendet (mit oder ohne Abschluss, mit oder ohne Studienberechtigung). Nun geht es um die Frage: Was mache ich jetzt?
Für manche ist die Frage schnell beantwortet; sie haben eine klare Vorstellung davon, was sie wollen. Das ist heute jedoch eher die Ausnahme. Die Schwierigkeiten, sich für einen Berufsweg zu entscheiden, liegen eher in der Fülle der Möglichkeiten, nicht in der Begrenztheit des Angebots. Dazu gibt es eine Reihe von Beratungsangeboten durch die Bundesagentur für Arbeit oder das Netzwerk ´Wege ins Studium´. Mit Hilfe von Eignungs-und Interessentests kann zumindest die grobe Richtung einer Berufsentscheidung bestimmt werden. Wichtig sind darüber hinaus freiwillige Praktika, Schnupperwochen, Gespräche mit Menschen, die den angestrebten Beruf ausüben.
Für Abiturienten, die partout keine Idee haben, empfiehlt sich ein freiwilliges soziales Jahr oder ein Jahr in der Entwicklungshilfe, um Erfahrungen jenseits der Schule zu sammeln. Danach schält sich oft sehr schnell der zukünftige Berufsweg heraus.

Katharina weiß nach dem Abitur nicht, was sie machen soll. Sie hat keine ausgeprägten Interessen. Die Tests und Gespräche beim Beratungszentrum ergeben auch kein eindeutiges Bild. Sie entschließt sich, ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kindergarten zu machen, weil sie gut mit Kindern umgehen kann. In dieser Zeit hört sie oft: ´Du kannst aber toll organisieren´. Sie beginnt sich nach Studienmöglichkeiten in diesem Bereich umzuhören und stößt auf den Bereich Gesundheitsmanagement, der sie sehr interessiert…

2. Unzufriedenheit mit dem gewählten Beruf nach einigen Berufsjahren

Nach sechs Jahren im Beruf merkt Hendrik, dass er in seinem Beruf als Berater in einer Bank fehl am Platze ist. Er kann zwar gut beraten, die ständige Beschäftigung mit Geld, Kreditzinsen und Renditen macht ihn jedoch immer unzufriedener. Zunehmend spürt er, dass er ´für diesen Beruf nicht wirklich geeignet ist´. Aber was dann? Im Jahresgespräch rät ihm sein Vorgesetzter dringend zu einem Coaching, da seine Leistungen unbefriedigend seien, trotz allen Einsatzes und Bemühens. Im Coaching geht Hendrik auf, warum er so wenig Erfolg hat und die Arbeit ihn zunehmend überfordert. Er hat sich immer für einen ´Berater´ gehalten. In dem Test, der sich mit der Frage befasst, welchen Beitrag man in einem Team/einer beruflichen Situation am besten ausfüllen kann, stellt sich jedoch seien Neigung zum ´Entdecker´ heraus. Der Beitrag eines „Entdeckers“ besteht darin, im stillen Kämmerlein Ideen zu entwickeln. Sie bringen oft richtungsweisende Innovationen hervor. Als er von einem Schulbuchverlag hört, der ein Projektteam zur Entwicklung von Online-Kursen für das neue Schul-Fach „Geld &Wirtschaft“ aufbauen will, bewirbt er sich auf die Stelle und wird genommen. Er lebt auf, weil er hier seinen Beitrag leisten kann…

Ein einmal eingeschlagener Berufsweg ist kein unabänderliches Schicksal. Es gibt immer Alternativen. Um etwas mehr Sicherheit zu bekommen, dass eine neuen Berufstätigkeit tatsächlich den eigenen Möglichkeiten besser entspricht, kann der angesprochene kostenlose Test Mein Beitrag in einem Team/einer Arbeitssituation auf meiner Website eine erste Hilfe sein (Der Test ist NSA-fest: also anonym, ohne Registrierung oder ähnlichem, ohne Speicherung der Eingaben, sofort als Auswertung auf Ihrem Computerbildschirm. Achtung, mit dem Verlassen der Seite sind Ihre Daten unwiderruflich verschwunden).

3. Wiedereinstieg – aber nicht in den alten Beruf

Nach einer kürzeren oder längeren Familienphase suchen Frauen (und zunehmend mehr auch Männer) einen Wiedereinstieg in einem Beruf. Dabei wollen sie oft nicht wieder in den alten Beruf zurück. In der beruflichen „Auszeit“ sind neue Interessen, Erfahrungen, Qualitäten und Einsichten in die eigenen Fähigkeiten entstanden. Das macht es jedoch nicht leichter, eine realistische Alternative zu finden. Denn in dieser Lebensphase rücken wichtige Fragen in den Vordergrund:

  • Welches sind meine besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche Kompetenzen habe ich? Wo liegen meine Stärken und Schwächen?
  • Welches sind die Hauptbeweggründe, Bedürfnisse, Motivationen und Ziele in meinem Leben? Was will ich und was will ich nicht? Entweder, weil ich es noch nie wollte oder weil ich zu der Erkenntnis gelangt bin, dass ich es nicht mehr will
  • Welches sind meine inneren Werthaltungen, die Hauptkriterien, mit denen ich meine Tätigkeit beurteile?

Die Antworten auf diese Fragen führen zum persönlichen ´Karriereanker´. Es handelt sich um die Zusammenfassung der eigenen Kompetenzen und Stärken, um die eigenen Persönlichkeitsprägungen und die persönliche Wertorientierung in Bezug auf die berufliche Situation. Der eigene ´Karriereanker´ ist wie ein Fixpunkt („Anker“). Er ist für den Einzelnen von solch großer Bedeutung, dass er/sie auf diese Orientierung niemals verzichten würde bzw. sollte. Ursprünglich von dem Organisationspsychologen Edgar Schein entwickelt, geht man heute von neun Karriereankern aus.
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Erika will wieder einsteigen

´Ich kann doch in meinem Alter nicht wirklich etwas Neues mehr anfangen, das schaffe ich doch gar nicht mehr, außerdem wüsste ich auch nicht was´! So beginnt Erika ein Gespräch über die Möglichkeiten eines Wiedereinstiegs in den Beruf. Auf die Frage, ´was sie denn will´ und ´was ihr wichtig ist´, zuckt sie mit den Achseln. Alle Fragen in dieser Richtung bringen nicht weiter. Sie sucht Beratung und ist begeistert vom Beratungskonzept des „Karriereankers“. Dabei ergibt sich nach dem Ausfüllen des Fragebogens für Erika ein überraschendes Ergebnis: Ihre Karriereanker ist das ´Experte sein´(Technische bzw. funktionale Kompetenz)! Zunächst kann sie damit gar nichts anfangen. Auf die Frage: ´Worin sind Sie denn Expertin?´, antwortet sie spontan: ´Im Brandschutz´. In ihrer alten Arbeit in einem großen Architekturbüro hatte sie besonderes Interesse an den vielfältigen Möglichkeiten und den gesetzlichen Normen dazu und wurde im Büro dazu häufig zu Rate gezogen. Als kreative Architektin hat sie sich dagegen schwer getan. Sie selbst fand immer, dass sie keine „richtige Architektin“ war. Während ihrer Auszeit hat sie nicht ARCHplus abonniert, sondern sich durch wksb – Zeitschrift für Wärmeschutz • Kälteschutz • Schallschutz • Brandschutz auf dem Laufenden gehalten –´ nur so zum Spaß´. Seitdem sucht sie Stellenausschreibungen in dieser Richtung…

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