Entscheidung für eine Wochenendbeziehung, kann das gut gehen?

Wochenende Entscheidung

So kann das nicht weitergehen!

Daniela und Roland führen seit einiger Zeit eine Wochenendbeziehung. Roland ist von seiner Firma aus in die Zentrale befördert worden und hat seinen Traumjob. Leider ist das 200 km weit entfernt. Bisher ist Roland immer freitags abends spät gekommen und schon am Sonntag spät gefahren. Er hat dort ein kleines Appartement zur Verfügung gestellt bekommen. Vor allem Daniela ist mit dieser Situation zunehmend unzufrieden. Sie hat sich ihre Beziehung so nicht vorgestellt. Bisher war das gemeinsame Abendessen mit den beiden Kindern immer ein festes Familienritual gewesen, das der Familie sehr gut getan hat. Außerdem vermisst sie Roland, das Bett neben ihr ist zu oft leer! Und die Zeit am Wochenende ist zu knapp; es braucht lange, bis zwischen beiden wieder eine Intimität und Vertrautheit entsteht – und dann ist das Wochenende auch schon wieder rum. Der Wechsel von Roland ist für drei Jahre terminiert. Ein Umzug für die Familie kommt deshalb nicht in Frage, das wollen sie sich und den Kindern nicht zumuten. Und Daniela möchte ihre Arbeit auf keinen Fall aufgeben. So ideale Bedingungen wird sie nirgendwo mehr bekommen…
Nach jedem Wochenende fragen sich Daniela und Roland, ob das so gutgehen kann oder ob er kündigen soll…

Acht hilfreiche Fragen zur Neuorientierung der Familien-Beziehung

Daniela und Roland stehen in ihrer Beziehung an einem Wendepunkt. Ihr bisheriges Familienleben kann unter den neuen Bedingungen nicht so weitergeführt werden. Die bisherigen Vorstellungen, Wünsche und Ideen tragen nicht mehr.
Solche Situationen werden häufig als Bedrohung angesehen. Sie sind jedoch auch eine Chance für eine Weiterentwicklung der Beziehung. Für solche Neuorientierungen im Leben hat der Schweizer Psychotherapeut Jürg Willi* einen kleinen Leitfaden entwickelt, um zu einer Entscheidung zu kommen. Daniela nimmt sich schließlich Zeit, um diesen Leitfaden für sich durchzuarbeiten.

1. In meiner Beziehungsgestaltung waren meine bisherige Vorstellungen…

Ich war immer davon ausgegangen, dass möglichst viel Zeit zusammen in der Familie unbedingt wichtig ist. Zu viert viel zu unternehmen, war mir als Beziehungsmensch sehr wichtig.
In einer guten Beziehung läuft alles ohne viel Kampf und Anstrengung.
Mein Mann hat immer sehr viel mit den Kindern gemacht und mich entlastet.
Um intim zu werden, ist viel „Vorlaufzeit“ notwendig.

2. Jetzt sind bei uns Veränderungen eingetreten…

Durch die Wochenendbeziehung konzentriert sich jetzt alles auf das Wochenende. Das ist schön, aber irgendwie auch stressig, es fehlt die Muße und Vertrautheit, die wir immer gehabt haben.

3. In unserer Beziehung steht jetzt folgende Entwicklung an…

Ich muss mir mehr ein eigenes Leben aufbauen, unabhängig von Mann und Kindern. Und ich muss aktiver an der Beziehung arbeiten und nicht hoffen, dass alles einfach so schön weiterläuft, wie es die letzten Jahre war.

4. Diese anstehende Entwicklung wird erschwert durch persönliche Faktoren…

Ich habe Angst vor Distanz und Trennung. Ich fühle mich wohl, wenn ich alle meine Lieben um den Tisch sitzen habe. Wenn das nicht so ist, bin ich unruhig und traurig und verliere leicht Energie und Selbstvertrauen.

5. Zusätzlich wird die anstehende Entwicklung erschwert durch situative Umstände…

Wir sehen uns jetzt nur am Wochenende; zwischen uns liegen lange 250 km!

6. Die anstehende Entwicklung wird erleichtert durch persönliche Faktoren…

Es reizt mich, wieder einige Sachen mit meinem Freundeskreis zu machen und wieder mit Pilates anzufangen.

7. Zusätzlich wird die anstehende Entwicklung erleichtert durch situative Umstände…

Unsere Eltern leben beide in der Nähe und sind immer bereit, die Kinder zu übernehmen. Ich bin von meinem Beruf aus relativ frei in meiner Zeiteinteilung. Roland wird in der Firma gebraucht, so dass er eine gute Position hat und sich deshalb trauen kann, veränderte Bedingungen auszuhandeln: montags etwas später und freitags nur bis mittags in der Firma zu sein.

8. Es steht jetzt der Entwicklungsschritt an…

Ich muss meine vertrauten Bahnen verlassen und neue Möglichkeiten aktiv angehen.

a) Dazu werde ich mit meinen Freundinnen einen Abend pro Woche zum Sport gehen und anschließend etwas mit ihnen unternehmen.

b) Roland wird mit seinem obersten Chef sprechen und aushandeln, dass die Besprechung am Montag erst um 10 Uhr beginnt, sodass er erst am Montag morgens fährt. Und er arbeitet am Freitag nur bis mittags, sodass er früher ins Wochenende fährt.

c) Darüber hinaus fährt Daniela ab und zu mittwochs (an ihrem freien Nachmittag) zu Roland und fährt am nächsten Morgen früh wieder zurück. Die Kinder werden von den Großeltern aus dem Kindergarten abgeholt und übernachten dann bei ihnen.

 

Neue Umstände fordern neue Chancen heraus

Selbstgewählte oder erzwungene Veränderungen fordern Entwicklungsschritte heraus, aus denen sich neue Chancen ergeben. Daniela muss sich wieder mehr auf sich selbst und auf den Partner konzentrieren, nachdem jahrelang die Kinder im Vordergrund standen. Roland muss erkennen, dass er in seiner Position mehr für sich aushandeln kann und klare Forderungen stellen kann („montags später, freitags früher“). Dass das anstandslos genehmigt wird, zeigt Roland, dass er mit mehr Selbstvertrauen auftreten kann…Und Daniela mag nach einigen Monaten die besonderen Mittwochs-Besuche nicht mehr missen. Die „Rendezvous“ mit Roland erinnern sie immer an die erste Zeit ihrer großen Liebe. Dass ein Teil davon nochmal zurückkommen würde, hätte sie nicht gedacht… Die 400 Kilometer, die sie fahren muss, sind es ihr wert.
 
 
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Fotonachweis: Rita H. / photocase.com
 
 

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