Entscheidungen durchhalten – und nicht auf halbem Wege umkehren

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Die Angst der Mitte

Viele kennen die „Angst der Mitte“, ein Begriff der vom Schweizer Psychoanalytiker Paul Tournier geprägt wurde: Man/frau hat eine Entscheidung getroffen und macht sich mit Elan auf den Weg. Doch auf dem Weg kommen einem Zweifel, Bedenken, Ängste – und auf halbem Wege kehrt man um.
Eine anschauliche Alltags-Beobachtung dazu ist der alte Mann mit Stock, der sich nach langen Schauen rechts und links über die mäßig befahrene Straße wagt. Als er in der Mitte der Straße ist, wird er ängstlich und kehrt um, als er in der Ferne ein Auto hört – obwohl der Weg vorwärts auf die andere Seite möglicherweise sogar schon näher ist.
Diese Angst der Mitte hat viele Gesichter: Der Student, der sich zu einer Prüfung anmeldet und kurz vorher wieder abmeldet, weil er Angst hat, nicht zu bestehen (obwohl er intensiv gelernt hat). Die Frau, die sich um eine neue Stelle bewirbt, dann aber das Vorstellungsgespräch kurzfristig absagt, weil sie sich den Anforderungen doch nicht gewachsen fühlt. Der Mann, der seine „Traumfrau“ gefunden hat, sich nach einigen Treffen jedoch zurückzieht, weil er glaubt, einer Beziehung nicht gewachsen zu sein. Das Seniorenpaar, das sich entscheidet, eine kleinere Wohnung am Wohnort der Kinder zu nehmen; als es dann ernst wird, machen beide dann doch einen Rückzieher und bleiben in ihrer vertrauten Umgebung.

Das negative Kopfkino setzt ein

Auf dem Weg zur Umsetzung einer getroffenen Entscheidung setzt häufig das negative Kopfkino ein. Es tauchen alle möglichen Bilder von negativen Erfahrungen, Angsterlebnissen, Befürchtungen, Bedrohungen, Peinlichkeiten, Versagenserlebnissen auf. Diese steigern sich im Laufe des Weges und in der Mitte des Weges sind sie so stark, dass der Rückzug angetreten wird. Auf halbem Weg geht der Mut verloren, die negativen Gedanken und Empfindungen haben überhand genommen. Eva Müller nennt das die „zweite Entscheidung“.

Positive Affirmationen („Bekräftigungen“) als Gegenmittel

Martin hat den Verdacht, dass „etwas mit meinem Darm nicht in Ordnung ist“. Schon zweimal hat er einen Termin bei einem Facharzt gemacht und beide Male einige Tage vorher wieder abgesagt. Die Angst vor der Diagnose „unheilbarer Krebs“ ist so stark geworden, dass er glaubt, die Wahrheit nicht ertragen zu können. Das negative Kopfkino hat seine Wirkung entfaltet. Widerwillig nimmt er einen Rat an, um sein negativen Bilder im Kopf zu beeinflussen: Über mehrere Wochen hin sagt er sich immer, wenn er einen Kaffee trinkt: „Ich bin mutig, ich kann mit der Wahrheit leben“ – und das jeweils fünfmal. Eigentlich glaubt Martin nicht an solchen Quatsch, hält es aber durch. Als der nächste Untersuchungstermin immer näher rückt, ist er öfter drauf und dran, wieder abzusagen. Aber irgendwie schafft er es dieses Mal. Die Diagnose ist in der Tat Krebs, der Tumor kann jedoch leicht operiert werden; Martin ist gerade noch rechtzeitig gekommen….Über die Diagnose ist Martin einerseits bestürzt, andererseits aber auch erleichtert…

Affirmationen wirken

Sich selbst etwas einzureden zu wollen, halten viele für Unsinn. Dabei ist ihnen nicht bewusst, dass ihr Verhalten ständig von „Einredungen“ aus der Vergangenheit bestimmt wird. Das Kopfkino, die inneren Dialoge wirken – nur eben oft nicht zum eigenen Vorteil. Um den negativen Gedanken und Denkmustern etwas Positives entgegenzusetzen, helfen positive Affirmationen. Sie wirken nicht sofort, sondern entfalten ihre Wirkung ernst nach wochenlanger praktischer Übung. Langsam und stetig wird dabei das Empfinden und dann das Verhalten im Sinne der Affirmation verändert.

Wer´s glaubt, wird selig. Genau!

Ist Ihnen die Angst der Mitte auch schon einmal begegnet? Was haben Sie unternommen?

 
 
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Das Titelbild ist ein Foto von gregepperson / photocase.com und zeigt keine im Artikel erwähnte Person
 
 

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