Entschiedenheit – auf jeden Fall am eingeschlagenen Weg festhalten?

Entscheidung Entschiedenheit
Die Eigenschaft, ohne langes Zögern zu entscheiden und bei der Entscheidung zu bleiben, wird als Entschiedenheit bezeichnet. Die Gegenbegriffe dazu wären Unentschlossenheit und Wankelmütigkeit.
Dazu gehören

  • ohne langes Zaudern entscheiden
  • konsequent bei Entscheidungen bleiben zu können
  • sich nicht durch Schwierigkeiten vom Ziel abbringen zu lassen
  • beständig sein und eine klare Linie verfolgen.

Zwei Formen von Entschiedenheit

1. Angst der Mitte überwinden – am eingeschlagenen Weg festhalten

Im Beitrag über die „Angst der Mitte“ habe ich darüber geschrieben, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist und dazu verführen kann, eine einmal aus guten Gründen getroffene Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Obwohl es keine entscheidende neue Gründe gibt, die ursprüngliche Entscheidung zu revidieren. In solchen Situationen gilt es, den eingeschlagenen Weg konsequent zu Ende zu führen.

2. Flexibel auf Veränderungen reagieren, ohne das Ziel aus dem Auge zu verlieren

Wenn sich herausstellt, dass ein einmal eingeschlagener Weg dem Ziel nicht näherbringt, muss dieser Weg verlassen werden. Auch wenn es nach außen hin so erscheinen mag, als ob man unentschlossen sei, kein Durchhaltevermögen habe oder es an Entschiedenheit und Verlässlichkeit fehle. In solchen Situationen bedeutet Entschiedenheit, das Ziel im Auge zu behalten – und einen anderen Weg zu wählen.
Viele machen es genau umgekehrt: Sie halten am eingeschlagenen Weg fest und verabschieden sich von ihren Zielen.

Weg und Ziel unterscheiden

Es ist wichtig, zwischen Weg und Ziel unterscheiden zu können. Die Entschiedenheit bezieht sich auf das Ziel, das erreicht werden soll. Auf dem Wege dahin können Entscheidungen durchaus revidiert werden, wenn sich zeigt, dass auf Grund veränderter Bedingungen oder neuer Informationen eine andere Entscheidung getroffen werden muss.

Die Entschiedenheit zeigt sich darin, dass Ziele erreicht werden und solche Entscheidungen getroffen werden, die der Zielerreichung dienen. Die Unerschütterlichkeit und Standfestigkeit beruht auf der Fähigkeit, das
Ziel im Auge zu behalten und die Entscheidungen auf dem Wege dahin immer wieder danach zu beurteilen, ob diese günstig oder ungünstig für die Zielerreichung sind.

Wer an einer einmal getroffenen Entscheidung festhält, selbst wenn diese nicht mehr zielführend ist, verliert seine Glaubwürdigkeit.

Der Kühlschrank als Modell für Entschiedenheit?!

Was passiert, damit ein Kühlschrank immer eine relativ konstante Temperatur hält?
Dazu ist ein Regelkreis notwendig, weil es Störgrößen gibt, die die Temperatur im Kühlschrank verändern z.B. wenn die Tür häufiger geöffnet wird.

Entscheidung_Entschiedenheit

Zu einem Regelkreis gehört ein Sollwert (Ziel) d.h. die konstante Kühlschranktemperatur von 7 Grad.
Im Kühlschrank misst ein Fühler (Sensor) den Ist-Wert d.h. die aktuelle Temperatur im Kühlschrank.
Im Regler wird nun verglichen, ob der Sollwert mit dem Ist-Wert übereinstimmt.
Bei Abweichung setzt der Regler Korrekturmaßnahmen in Gang d.h. das Kühlaggregat wird so lange angeschaltet, bis der Fühler rückmeldet, dass die Solltemperatur erreicht ist. Dann schaltet der Regler das Kühlaggregat wieder aus.

Ein Regelkreis beschreibt also modellhaft, worauf zu achten ist, wenn ein festes Ziel erreicht werden soll, während sich die Rahmenbedingungen ändern.
Genau darum geht es bei der Entschiedenheit.

Was bedeutet das für Denise?

Denise hat endlich ihren Traumjob als Projektleiterin in einem Forschungslabor gefunden. Ihr Ziel war es immer, in einem Team selbständig zu forschen. Das ändert sich, als ein neuer Chef kommt, der sofort ein striktes Controlling einführt, das Projekt von Denise beschneidet und ihr ständig Aufgaben gibt, die nichts mit ihrem Projekt zu tun haben. Sie wird zunehmend unzufrieden. Schließlich entscheidet sie sich, ihre Stelle zu wechseln. Das wird ihr besonders schwer gemacht, da ihr Chef eine so qualifizierte Kraft nicht gehen lassen will. Ihr wird eine deutliche Lohnerhöhung angeboten und die Aussicht auf Verlängerung der Forschungsgelder für weitere fünf Jahre. Aber Denise bleibt bei ihrem Entschluss. Sie weiß, dass sie mit diesem Chef nicht zusammenarbeiten kann. Ein kreatives, erfolgreiches Forschen ist unter diesen Bedingungen für sie nicht möglich.
In der neuen Stelle erwartet Denise eine böse Überraschung. Alle Versprechungen, die ihr gemacht wurden, erweisen sich als Luftnummern. Das Projekt, das sie leiten soll, ist hoffnungslos unterfinanziert; eine einigermaßen solide Forschung ist nicht möglich. Dennoch beschließt sie zu bleiben, weil sie nicht als unentschlossen und wankelmütig erscheinen will und sich den Fehlgriff nicht eingestehen kann. Besonders schwer wird es, als sie von den früheren Kollegen erfährt, dass der neue Chef inzwischen wieder weg ist und der alte Abteilungsleiter wieder die Führung übernommen hat, mit dem Denise erfolgreich zusammen gearbeitet hat. Soll sie wieder zurück, bevor die Stelle neu vergeben wird? Aber wie wirkt das? Wird sie nicht zukünftig als unzuverlässig und entscheidungsschwach angesehen und verbaut sie sich damit jede Zukunftschance? Muss sie „zu Kreuze kriechen“, um wieder zurückgehen zu können, obwohl sie ihr Projekt „im Stich gelassen hat“? Muss sie nur einfach ihre Ziele in der neuen Stelle niedriger hängen? Irgendwie wird sie sich auch in der neuen Stelle vielleicht etwas aufbauen können?

Wie würden Sie an Stelle von Denise entscheiden?

 
 
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Ein Gedanke zu „Entschiedenheit – auf jeden Fall am eingeschlagenen Weg festhalten?“

  1. Ja, ganz klar..zur alten Stelle zurück, was für mich auch nichts mit „zu Kreuze kriechen“ zu tun hätte…
    sie hat unter ganz anderen Voraussetzungen die Stelle gewechselt, und damit ist klar:
    es wäre (in meinen subjektiven Augen ;-)) eine Fehlentscheidung, in der neuen Stellung zu bleiben.
    Schön, dass man das für andere immer so eindeutig sagen kann 😉
    Es zeigt mir, dass man sich selbst nach Möglichkeit aus einer Situation herausnehmen, ein Stück zur Seite treten müsste, um den nötigen Abstand zu haben…um dann relativ objektiv entscheiden zu können.

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