Führungsentscheidungen – wenn Quertreiber die Teamarbeit vergiften!?

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Bei länger andauernden Konflikten innerhalb von Arbeitsgruppen werden oft Personen als „Schuldige“ ausgemacht. Das endlose Spiel von Beschuldigung und Rechtfertigung beginnt. Gespräche bleiben erfolglos. Gibt es andere Möglichkeiten?

Brigitte traut der Macht der Worte nicht mehr

So kann es nicht weitergehen. Brigitte muss für ihr Team eine Entscheidung treffen. Immer wieder kommen Mitarbeiter ihres Team zu ihr und fordern, dass sie als Chefin ein Machtwort spricht: Frau M. muss weg. Sie ist unzuverlässig, andere müssen die Arbeit für sie mitmachen, mit den Kunden geht sie unfreundlich um. Dabei ist Frau M. eine fachlich gute Mitarbeiterin, die viel für den Erfolg des Teams leistet. Deshalb möchte Brigitte die Mitarbeiterin gerne behalten. Dabei glaubt sie nicht mehr an die Macht der Worte. Zu oft hat sie ohne sichtbaren Erfolg geredet, mit Macht und ohn(e) Macht. Die Konflikte gingen trotzdem weiter.

Wortlos Teamkonflikte lösen, geht das?

Brigitte lässt sich auf ein Experiment ein, bei dem alle Mitarbeiter ihres Teams im großen Besprechungsraum in einer Runde sitzen (ohne Tische).

Der Teamkonflikt als gefräßiges Tier

Die Führungskraft erklärt, dass es in der Gruppe einen Konflikt gibt, ohne dass dieser konkret benannt wird. Sie stellt in die Mitte ein bedrohlich wirkendes Stofftier als Symbol dafür, dass der Konflikt einem „gefräßigen Tier“ zu vergleichen ist, das von allen Beteiligten gefüttert wird. Der Konflikt braucht die „Nahrung“ aller Anwesenden, um überleben zu können.
Jedes Teammitglied inkl. Führungskraft schreibt deshalb auf eine Karte, was er/sie selbst zur Aufrechterhaltung des Konflikts beiträgt (ein Bespiel pro Karte). Er/sie legt diese Karten vor sich auf den Boden, so dass alle sie lesen können (d.h. von innen aus lesbar sind). Jeder erhält die Gelegenheit, alle Karten zu lesen (herumgehen ohne zu reden). Fragen dürfen nur bei Unklarheiten gestellt werden. Es soll nicht zu einer Diskussion kommen, sondern es werden nur knappe Verständnisfragen zugelassen.
Am Ende dieses Teiles sollte sichtbar geworden sein, mit welchen Verhalten jedes Teammitglied aus seiner eigenen Sicht zur Aufrecht-Erhaltung des Konflikts beiträgt.

Vorschläge zur Konfliktlösung: Den Konflikt aushungern?

Jetzt notiert jeder Mitarbeiter auf andersfarbigen Karten Vorschläge, wie der Konflikt durch ein geändertes Verhalten einzelner Teammitglieder entschärft werden könnte. Dabei wird wieder ein Vorschlag pro Karte aufgeschrieben. Jeder Teilnehmer beginnt bei sich selbst. Die Karten mit den eigenen Möglichkeiten legt er/sie zu den Karten vor sich auf den Boden. Jeder kann und sollte auch Vorschläge für andere Teammitglieder schreiben, die er/sie dann vor den entsprechenden Teilnehmer auf den Boden legt. Wieder haben alle die Möglichkeit, die Karten aller zu lesen (herumgehen ohne zu reden) und evtl. kurz mögliche Verständnisfragen zu stellen.
Entscheidung Teamkonflikte

Wirken lassen

Am Ende kann jeder, der möchte, kurz einen Kommentar geben zu der Frage:
„Was hat mich überrascht? Womit habe ich so nicht gerechnet?“ Zugelassen sind also Aussagen nach dem Muster „Ich bin überrascht, dass…“. Nicht zugelassen sind Diskussionen, Vorwürfe, Rechtfertigungen…
Danach geht das Team “sprachlos“ auseinander und lässt das Erlebte wirken.

Was ist passiert?

Als Chefin hat Brigitte die Entscheidung getroffen, in ihrem Team nicht an die „Alleinschuld“ von Frau M. zu glauben. Schwierige Mitarbeiter entstehen oft durch das Team. Auf gleichem Weg können sie dann auch wieder verschwinden. Nach jenem „schweigsamen“ Teamtreffen hat Brigitte jedenfalls keine Beschwerden mehr gehört…

 

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Teamkonflikten gemacht?
Welche Entscheidungen haben sich dabei aus Ihrer Sicht bewährt?

 
 
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Fotonachweis: Francesca Schellhaas / photocase.com
 
 

3 Gedanken zu „Führungsentscheidungen – wenn Quertreiber die Teamarbeit vergiften!?“

  1. Ich denke, dass dies gut funktionieren kann, wenn die Führungskraft auch hinter dieser Übung steht. Mich würde interessieren, was ich tun kann, wenn die Führungskraft/die Unstimmigkeiten zwischen den Führungskräften die Teamarbeit sabotiert und solche gemeinschaftlichen Treffen aus Prinzip schon für Zeitverschwendung hält. Hat jemand positive Erfahrungen damit gesammelt, wie man seine Chefs überzeugt bzw. ins Boot holt und würde dies mit uns teilen?

    1. Hallo Doro,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und die wichtige Frage, die Sie gestellt haben: Wie kann man seine Chef ins Boot holen. Es hat mich angeregt, das Thema im nächsten Artikel aufzugreifen!

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