Schlechte Gewohnheiten ablegen (I) : „Kairos“ – oder den günstigen Augenblick beherzt nutzen!

Entscheidung_Gewohnheit

Eine Frage der Schnelligkeit – Gewohnheit schlägt Entscheidung

Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten. Es speichert vielmehr die Verhaltensweisen in den Tiefen des Gehirns, die sich als angenehm d.h. mit einer Belohnung verbunden herausgestellt haben. Was gut funktioniert und ein gutes Gefühl hervorruft, wird so im Gehirn abgelegt, dass es durch einen bestimmten Auslöser unbewusst aufgerufen wird, lange bevor das Bewusstsein (Wille, Entscheidung) dies mitbekommt. Der Auslöser (Situation, Gegenstand, Bild, Duft, Gefühl, Sinnesreiz…) hat das zugehörige Verhalten längst in die Wege geleitet – die Autotür wird ohne Nachdenken verschlossen, ebenso wie die bereitliegenden Chips genascht werden, die regelmäßige Joggingrunde wird trotz Regens gelaufen, ebenso wie zur Zigarette gegriffen wird oder die Fingernägel gekaut werden. Im Laufe des Lebens bilden wir so ein festes Gerüst von Gewohnheiten aus, von deren Macht wir profitieren („gute Gewohnheiten“) und deren Unveränderlichkeit uns verzweifeln lässt („schlechte Gewohnheiten“)

Ein kleines Wunder – Diana macht Sport!

Die Freundinnen von Diana trauen ihren Augen nicht, als sie Diana in einem Zumba-Kurs mitmachen sehen! Ausgerechnet Diana, die nie zum Sport zu bewegen war. Selbst ihre sichtbare Gewichtszunahme hatte nicht dazu geführt, dass sie sich zu irgendeinem Sport aufraffen konnte. Sporadische Versuche mit Walking oder Jogging wurden schnell wieder eingestellt…Bis zu dem Zeitpunkt, als sie eine neue Stelle in einem anderen Ort angetreten hat. Die neuen Kollegen sind sehr nett und vor allem gehen zwei von ihnen regelmäßig zum Zumba. Gleich in den ersten Tagen fragen sie Diana, ob sie nicht mitgehen möchte. Nachdem ihr versichert wurde, dass in dem Kurs ganz „normale“ Leute mitmachen, macht sie einen Versuch. Nach einigen Malen, bei denen sie längere Pausen einlegen muss und nachher fürchterlichen Muskelkater hat, geht es immer besser. Es beginnt ihr sogar richtig Spaß zu machen ( anders als das fürchterlichen Walking): die Atmosphäre, die Musik, das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun, die schöne Zeit mit den Kollegen…

Was ist passiert?

Tiefgreifende Verhaltensänderungen hängen häufig mit schwerer Krankheit, Scheidung, Jobwechsel oder einem neuen Umfeld zusammen. Sie geschehen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. „In diesen sogenannten ´teachable moments´ werden Gewohnheiten zeitweise gebrochen. Man muss sich neu orientieren, das eigene Verhalten überdenken und sucht nach Informationen. Wer nach Veränderung strebt, hat in diesen Momenten die beste Chance dazu“, so der Sozialpsychologe Verplanken. In solchen Situationen kann man die „Gunst des Augenblicks“ zu Hilfe holen, um sein eingefahrenes Verhalten zu verändern.

Zupacken! Die Zeit ist günstig

Bei den alten Griechen gab es zwei Begriffe für unser Wort Zeit: „Chronos“ und „Kairos“. „Chronos“ ist dabei die gleichmäßig fließende Zeit (daher kommt unser Begriff Chronometer). Chronos ist die Zeit der Gewohnheiten und festgefügten Verhaltensweisen. „Kairos“ bezeichnet den besonderen Augenblick, die günstige Gelegenheit, die man nutzen muss, sonst ist die Chance vorbei. In der griechischen Götterwelt wurde Kronos deshalb als Glatzköpfiger dargestellt – mit einer langen Stirnlocke. Wer die zu greifen verpasst, dem ist eine besonders günstige Gelegenheit durch die Hände gerutscht. Darauf geht die Redensart „eine Gelegenheit beim Schopfe packen“ zurück. „Kairos“ ist die Stunde der Verhaltensänderung. Es tut sich durch die günstigen Umstände eine Möglichkeit auf, die man nutzen muss, sonst geht sie ungenutzt vorbei – und die Macht der Gewohnheit gewinnt wieder die Überhand. Es gibt also besondere Situationen in denen wir die Gunst der Stunde zu Hilfe holen können, um selbst hartnäckige Gewohnheiten zu verändern.

Diana hat die Chance genutzt

Diana hat die Chance genutzt, als in ihrer neuen Stelle in einem neuen Umfeld zwei Kolleginnen sie ermuntert haben, doch mit ihnen Sport zu machen. Dieses Mal kam es ihr viel leichter vor, „den inneren Schweinhund zu überwinden“. Da ihr das Zumba so viel Spaß macht, behält sie die neue Sportbegeisterung bei, auch als die eine Kollegin kündigt und die andere wegen einer Verletzung lange Zeit nicht mehr mitmachen kann. Ganz offensichtlich ist für Diana eine „gute Gewohnheit“ entstanden, die ihre Macht entfaltet. Als Diana einige Freundinnen von ihren alten Stelle wiedersieht, hört sie Kommentare wie „du siehst ja richtig gut aus“…

Drei Schritte, um eine gute Gelegenheit zur Veränderung von Gewohnheiten „beim Schopfe zu packen“

Notieren Sie für sich:

1. Was will ich verändern?

Welche eine „gute Gewohnheit“ möchte ich unbedingt erwerbenn, bin dabei bisher aber über einige erfolglose Versuche nicht hinausgekommen?

2. Wo hat sich in der letzten Zeit für mich eine Veränderung in meinem Leben ergeben

Liegt darin eine einmalige Gelegenheit, um meine gewünschte „gute Gewohnheit“ aufzubauen.

  • Welche Gelegenheit ist das?
  • Was heißt es für mich praktisch, die günstige Gelegenheit zu nutzen?
  • Welche Bedenken/Ängste/Vorbehalte will ich dieses eine Mal beiseite lassen, um den günstigen Augenblick beherzt nutzen?

3. Welche Veränderung kann ich selbst aktiv vornehmen, um mir eine günstige Gelegenheit zu schaffen?

Das könnte zum Beispiel sein:

  • Veränderung der Lebensumstände?
  • Eine Reise machen, eine Auszeit nehmen?
  • Neue Personen kennenlernen, Kontakte vertiefen?

Worin liegt dabei die besondere Chance, die neue Gewohnheit zu erwerben?

 

Weitere Möglichkeiten, um „gute Gewohnheiten aufzubauen“

Teil II: Das Duhigg-Modell – oder den Gewohnheiten-Mechanismus durchschauen.
Teil III : Mentale Überblendtechnik („Sssswish“) – oder das Unbewusste zu Hilfe rufen

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