Den Job wechseln – eine schwierige Entscheidung?

Entscheidung für einen Jobwechsel?

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Foto: t.turtle

„Ich bin mit meiner Arbeitsstelle zufrieden, habe aber jetzt ein gutes Angebot bekommen – soll ich wechseln?“
Solche oder ähnliche Fragen werden mir in meinem Online-Coaching immer häufiger gestellt. Als Gründe für einen Entscheidungs-Konflikt werden am häufigsten genannt (die Top-Seven):

1. Carla: „Ich habe jetzt nette Kollegen und ein gutes Team, wie wird das in der neuen Stelle sein?“

2. Corinna: „Die neue Stelle erfordert mehr Fahrzeit zur Arbeit, ich hätte dann noch weniger Zeit…“

3. Emil: „In meiner jetzigen Stelle verdiene ich eigentlich genug, aber das Stellenangebot ist verlockend, weil ich deutlich mehr Geld verdienen würde…

4. Valeria: „Die neue Stelle wäre mein Traumjob, das wollte ich schon immer machen- aber vielleicht träume ich zu viel…“

5. Gundula: „Ich weiß nicht, ob ich den Herausforderungen der neuen Stelle gewachsen bin, in der jetzigen Stelle fühle ich mich sicher…“

6. Greta: „Ich bin alleinerziehende Mutter, kann ich meinem Kind jetzt einen Ortswechsel zumuten…“

7. Ferdinand: „Ich bin mit meiner jetzigen Stelle total unzufrieden, sehe aber keine Alternativen…“

Eine scheinbar einfache Jobfrage macht oft eigene Werte, Prägungen und Denkmuster sichtbar

Dass die Entscheidung zum Konflikt wird

(„Bleiben im jetzigen Job oder neue Stellenwechsel“), wird von den Betroffenen entweder als Folge von eigener Angst/Unsicherheit/Unentschlossenheit erlebt oder den äußeren Umständen/ Hindernissen zugeschrieben.
Oft sind dies jedoch nicht die Auslöser dafür, dass sich die Jobentscheidung zu einem Konflikt entwickelt. Bei der Frage nach Veränderungen (hier Jobwechsel) kommen bewusst oder unbewusst die eigenen Werte und Prägungen ins Spiel. Unabhängig von der „eigentlichen“ Entscheidung (neuer Job oder nicht) ergibt sich eine Chance zur persönlichen Entwicklung.

Die „Top Seven“ fordern zu einer persönlichen Entwicklung heraus

1. Nette Kollegen – wie wichtig ist mir Harmonie?
Für Carla ist ein konfliktarmes Arbeitsumfeld wichtig. Das kann ihr jedoch niemand garantieren – weder an ihrer jetzigen Arbeitsstelle noch an der neuen. Vielleicht macht der Entscheidungskonflikt deutlich, dass Carla lernen muss, sich auch in einem konfliktgeladenen Umfeld zu behaupten?

2. Zeit – wofür?
Für Corinna stellt die Frage nach der Zeit und wie sie diese nutzen will: Wo will sie ihre Prioritäten setzen, was ist ihr wichtig? Was bedeutet für sie ein ausgewogenes Leben ? Haben sich hier für sie Wertigkeiten verschoben?

3. Geld – was „verdiene“ ich?
Für Emil steht die Frage an, wie wichtig ihm der Verdienst ist. Wieviel Geld hat er aus seiner Sicht „verdient“? Ist mehr Gehalt im Augenblick dringend notwendig? Ist ein höheres Einkommen für ihn mit Ansehen und größerem Selbstbewusstsein verbunden? Welchen Preis ist er dafür bereit zu zahlen?

4. Traumjob – nur ein Traum?
Für Valeria steht die Frage an: „Lieber das vertraute Normale oder das unvertraute mögliche Glück?“. Soll sie sich zufriedengeben oder Neues wagen? Darf sie sich ihren Traum verwirklichen oder soll sie „lieber auf dem Teppich bleiben“ (Rat ihres Vaters?). Wo kämen wir hin, wenn jeder seine Träume verwirklichen wollte. Ja, wo kämen wir denn hin?

Wo kämen wir hin
Wenn jeder sagte
Wo kämen wir hin
Und keiner ginge
Um zu sehen
Wohin man käme
Wenn man ginge
(Autor unbekannt)

5. Sicherheit – oder die Komfortzone verlassen
Für Gundula steht die Frage an, ob sie jetzt ihre Komfortzone verlassen will. Wie wichtig ist ihr Sicherheit und ein vertrautes Umfeld? Welchen Reiz hätte es, die eigenen Fähigkeiten durch eine neue Herausforderung zu erweitern?

6. Zumutungen – oder das kann ich doch nicht machen! Wirklich nicht?
Wie Greta geht es vielen, die Kind(er) haben, einen Partner, Eltern, Freunde. Für diese Menschen aus dem vertrauten Umfeld ist ein Jobwechsel häufig eine „Zumutung“. Vernachlässigung, Egoismus, Undankbarkeit, Herzlosigkeit – solche (Selbst-) Anklagen verhindern eine realistische Auseinandersetzung. Ohne „Zumutungen“ für andere gibt es keine wirkliche Weiterentwicklung. Entscheidend ist die Frage: Leiten mich meine Ängste bzw. mein Pflichtgefühl oder gibt es Fakten, die jetzt eine Veränderung unmöglich machen. Habe ich alle Alternativen geprüft auch die, bei denen ich von meinem Umfeld erwarte, dass das bisher Vertraute so nicht weiter gehen kann – aber anders?

7. Keine Alternativen – oder Lösungen suchen?
Für Ferdinand steht die Herausforderung an, seine Problemfixierung zu überwinden. Probleme („ich bin total unzufrieden in meiner Arbeit“) haben die Tendenz, den Blick für Lösungen zu vernebeln. Probleme und Lösungen haben in der Regel nichts miteinander zu tun. Die Menge und „Schwere“ der vorhanden Probleme und Hindernisse ist unabhängig davon, dass es jede Menge Lösungen und gibt. Ein Meilenstein von der Problemfixierung zur Lösungsorientierung ist geschafft, wenn das Ziel geklärt ist. Was will ich? Wohin will ich?
Der 2000 Jahre alte Satz bekommt dann seine Gültigkeit: „Suchet, so werden ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan…“ Ein festes Ziel motiviert zu einer gezielten Suche und gibt den Mut, gezielt anzuklopfen.

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