Entscheidungen treffen – Angst vor den Konsequenzen hat Konsequenzen!

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Was steht eigentlich auf dem Spiel?

Interessanterweise ist die Angst vor Konsequenzen relativ unabhängig von dem, was bei der Entscheidung auf dem Spiel steht. Der eine entscheidet sich leicht für eine Rucksack-Reise nach Afghanistan, ohne viel an die Konsequenzen zu denken. Er/sie entscheidet, ohne sich groß über die Konsequenzen Gedanken zu machen, obwohl die Reise durchaus tödlich enden kann. Der andere fragt sich ständig, welche Konsequenzen es hat, wenn er statt der braunen Schuhe die schwarzen Stiefel kauft. (Was ist jetzt in? Was passt besser zu mir? Was wird mein Partner sagen?)

Je klarer die Fakten, desto geringer die Angst


Die Angst vor den Konsequenzen einer Entscheidung hat eher damit zu tun, wie sehr die vermuteten Konsequenzen real sind. Je realer, an Fakten und Tatsachen orientiert und gut abschätzbar die Konsequenzen sind, desto weniger Angst. Die Angst vor den Konsequenzen einer Entscheidung beruht also auf dem Nicht-Wissen über die wirklichen Konsequenzen. Das Sprichwort gilt gerade umgekehrt: Was ich nicht weiß, macht mich gerade heiß (d.h. erzeugt Angst). Ich male mir dann schlimme Konsequenzen aus, die mit zunehmender Angst immer dramatischeren Charakter annehmen und mich entscheidungsunfähig machen!

Tania, eine erfolgreiche Leitungskraft in einem mittelständischen Unternehmen, ist durch die vielen Belastungen privat (Trennung vom Partner) und im Beruf (massive Konflikte mit einem neuen Vorgesetzten) einem Burn-out nahe. Eigentlich müsste sie mal 3 Monate aussetzen, eine Kur machen und sich behandeln lassen.
Das geht angeblich nicht. In Ihren Grübeleien fallen Gedanken-Sätze wie
Alle Kollegen halten mich dann für eine Psycho-Tante!
– Das genehmigen die Chefs nie!
– Es steht ein großes Projekt an, das kann doch keiner außer mir stemmen!
– Damit verbaue ich mir meine Karriere, weil dann alle annehmen, dass ich immer kneife, wenn ich gefordert bin!

Verallgemeinerungen dramatisieren unnötig

Tania wird zunächst mit der Aussage konfrontiert, dass Sätze, die Aussagen mit immer, alle, keiner, nie enthalten, falsch sind! Solche Verallgemeinerungen erzeugen Angst, die Realität ist viel undramatischer – wie sich Tania in einer klaren Stunde eingestehen muss:

„Alle?“ Die Kollegen raten Tania schon seit Wochen, mal Sonderurlaub zu nehmen, weil Sie spüren, dass die sehr geschätzte Kollegin und Vorgesetze sich übernimmt. Außer Frau Blum, die wird natürlich immer lästern, aber das ist nicht neues

„Nie“? Der neue Vorgesetzte wird natürlich sofort Einspruch erheben, aber mit dem Geschäftsführer, der Tania unbedingt gerne in der Firma haben möchte, wird sich vielleicht doch ein Arrangement finden lassen.

„Keiner“? Wirklich keiner, oder kann der neue Vorgesetzte nicht doch einspringen und es gut machen? Denn für das Projekt ist er echt gut geeignet.

„Immer“? Tania kneift nicht immer, sondern bisher noch nie. Wäre es da nicht an der Zeit, damit jetzt anzufangen – nicht mit „Kneifen“, sondern mit dem realistischen Haushalten der Kräfte. Das ist übrigens eine zentrale Anforderung an Führungskräfte, die weiter kommen wollen!

Konsequenzen nicht überschätzen

Oftmals überschätzen wir die Bedeutung einer Entscheidung und deren Konsequenzen für unser Leben.
Tania beginnt, die Konsequenzen realistisch abzuschätzen. Indem sie ihre Befürchtungen ganz konkret macht, nimmt sie der Angst vor möglichen Konsequenzen ein wenig von ihrer Bedrohung. Es zeigen sich dabei durchaus realistische Möglichkeiten, dass sie die notwendige Auszeit nehmen kann.

Das Problem nicht verschleppen

In Gesprächen mit Freunden und der Familie warnen diese Tania vor einer „Auszeit“. Auch sie selbst sagt sich immer wieder, „dass es doch gar nicht so schlimm ist“ und schiebt das Gespräch mit dem Geschäftsführer immer weiter hinaus.
Mitten im neuen Projekt klappt sie zusammen. Nach 6 Monaten in einer Spezialklinik ist sie wieder zuhause. An eine Rückkehr in die Firma ist, wenn überhaupt, vorerst nicht zu denken. In den ersten Monaten habe die Chefs und Kollegen sich rührend um sie bemüht. Nach einem Jahr musste der Geschäftsführer schweren Herzens einen Mann einstellen, der ihren Posten übernommen hat.

Was ist passiert?

Die unrealistischen Vorstellungen über die Konsequenzen und die Bagatellisierung der Notwendigkeit einer Entscheidung haben genau die Situation herbeigeführt, die so stark befürchtet wurde. Die Angst vor den Konsequenzen hat eine realistische Sicht der wirklichen Konsequenzen und einen Blick auf die Chancen verstellt.
Jammerschade!

 
 
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Das Titelbild ist ein Foto von inkje/photocase.com und zeigt keine im Artikel erwähnte Person
 
 

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