Nach Uganda zu gehen – das ist aber eine mutige Entscheidung!

Mutige Entscheidungen treffen

Jenseits der vertrauten Wege

Unter „mutigen Entscheidungen“ versteht man solche Entscheidungen, die mit dem Aufbruch ins Unbekannte verbunden sind. Dabei kann man sich nur auf wenige sichere Fakten stützen. Die Auswirkungen der Entscheidung lassen sich schlecht abschätzen und sind kaum mehr rückgängig zu machen. Die Komfort-Zone des Vertrauten, Bekannten, Überschaubaren muss verlassen werden. Es müssen schwer abschätzbare Risiken eingegangen werden und bisher geltende Beschränkungen und persönliche Grenzen überschritten werden.

Typische Situationen

Typische Situationen, in denen mutige Entscheidungen gefordert sind:

  • Soll ich mich von meinem Partner trennen, obwohl es doch manchmal noch ganz gut geht?
  • Soll ich eine verantwortungsvollere Leitungsposition annehmen, obwohl ich mich dem vielleicht nicht gewachsen fühle?
  • Soll ich meine unbefriedigende Arbeitsstelle kündigen, obwohl ich noch keine neue Stelle habe?
  • Soll ich meinen Traum von einer Nepalreise angehen, obwohl ich nicht weiss, wie ich das finanzieren kann?
  • Soll ich meinem neuen Freund nach Saudi-Arabien folgen?
  • Soll ich in meinem Alter nochmal anfangen zu studieren?

Langes Grübeln und Analysieren hilft hier nicht weiter


Bei wichtigen, zukunftsoffenen Entscheidungen geht es oft nicht um sachliche Richtigkeit. Denn für jede Entscheidungsalternative gibt es ja gute Gründe und gut begründbare Vorbehalte. Die klassischen Instrumente des klugen Abwägens – wie z.B. Fakten zusammentragen, Listen mit Für und Wieder aufstellen oder Nutzwertanalysen erstellen – helfen dabei nicht wirklich weiter. Sie verführen oft nur zu nutzlosem Grübeln und verstärken die Angst vor der Entscheidung. Und Angst verführt dazu, auf den sicheren, vertrauten Wegen zu bleiben. Aber was hilft dann, um zu einer Entscheidung zu kommen?

Die eigene innere Überzeugung zählt

Letztlich weiß man in einer unsicheren Entscheidungssituation nicht, welche Entscheidung richtig sein wird. Das stellt sich erst auf dem Weg heraus. Und egal, welche Wahl man trifft, bei jeder Alternative werden im Laufe der Zeit Schwierigkeiten und Rückschläge auftauchen. Mit diesen Schwierigkeiten muss man umgehen können. Wenn man dann nicht innerlich überzeugt ist, wird man zwischenzeitlich ins Schwanken kommen. Und die Angst der Mitte wird möglicherweise die Überhand gewinnen!

Der Grad der eigenen emotionalen Verbundenheit und die innere Überzeugung sind entscheidende Kriterien dafür, ob und wie eine „risikoreiche“ Entscheidung getroffen werden kann. Mutige Entscheidungen können nicht allein auf der Basis von Verstand und Fakten getroffen werden; innere Verbundenheit mit der getroffenen Wahl ist notwendig. Wer sich auf einen ungewissen Weg macht, muss einen starken, inneren Antrieb haben, der ihm/ihr in kritischen Situationen über Zweifel und Widerstände hinweghilft.

Wie erkenne ich aber, woran in einer mut-fordernden Entscheidung mein Herz hängt? Wie komme ich aus den lähmenden Unsicherheiten und Zweifeln heraus?

Martina und die beiden Stühle

Als ihr Freund Ingo ihr eröffnet, dass er zu einem zweijährigen Forschungsaufenthalt nach Uganda gehen wird, kommt Martina ins Grübeln. Sie hat die Möglichkeit, mitzugehen und in der dortigen Schule zu unterrichten. Afrika könnte sie schon reizen, auf der anderen Seite hat sie große Angst vor der politischen Situation dort. Sie liebt ihren Freund und hat Angst, dass die Beziehung eine solche lange Trennung nicht übersteht, wenn sie nicht mitgeht. Ihre Freundinnen, Eltern und die Geschwister raten ihr dringend ab („viel zu gefährlich!“). Auf der anderen Seite hat Martina einige Kollegen ihres Freundes kennengelernt, die dort schon waren und begeistert sind. Sie berichten, dass die Situation im Forschungs-Camp absolut sicher sei. So vergehen für Martina viele schlaflose Nächte mit stillem Grübeln über die immer näher rückende Entscheidung. Schließlich lässt sich Martina auf eine kleine Übung ein.


Die 2 Stühle

Es werden zwei Stühle im Raum aufgestellt. Jeder Stuhl symbolisiert eine der beiden Entscheidungen: Stuhl 1 - Uganda: Sie geht mit ihrem Freund nach Uganda, erlebt etwas ganz Neues und bleibt mit ihrem Freund zusammen... Stuhl 2 – Hier bleiben: Sie bleibt hier in ihrer Stelle, die sie sehr gerne macht, singt mit Begeisterung im Chor und setzt ihren Zumba-Kurs fort, auf das schöne Familienfest zum siebzigsten Geburtstag des Vaters freut sie sich schon... Sie setzt sich dann zunächst auf einen der Stühle, (sie wählt als erstes den Stuhl 1/Uganda). Sie schließt die Augen, atmet ruhig und tief und stellt sich dann lebendig, farbig und intensiv vor, wie es in Uganda sein wird: Sie „sieht“, was sie dort macht, wie sie wohnt, was ihr Freund tut, was sie arbeitet, wie es dort riecht, wie es schmeckt, welche Geräusche zu hören sind, wie die Menschen ihr begegnen… Sie verbleit einige Minuten auf dem Stuhl 1 sitzen und versucht zu spüren, wie sich die Entscheidung anfühlt... Dann steht sie auf, räkelt sich und setzt sich auf den Stuhl 2 / vertrautes Umfeld. Sie wiederholt die Übung und stellt sich lebendig vor, wie sie ihr Leben genießt und wie sich dieses Leben hier empfindet, riecht, schmeckt, hört…Sie verbleibt für einige Minuten auf dem Stuhl 2 sitzen.

Nach dieser „Stuhlsitzung“ ist es Martina ganz klar, dass sie mit Ingo nach Uganda gehen wird. Denn sie möchte auf jeden Fall mit Ingo zusammen bleiben und sie glaubt, dass das in Uganda ganz super mit ihm werden wird. Sie trifft eine mutige Entscheidung:Trotz aller Widerstände (riesige eigene Ängste, Abraten der Eltern, Missfallen des Schulleiters, gesundheitliche Probleme, Visumprobleme) geht sie mit Ingo nach Uganda. Von ihren Kollegen hört sie oft den Satz: ´Das ist aber eine mutige Entscheidung!!´

2 Stühle: Woran hängt mein Herz?

Wer mutige Entscheidungen zu treffen hat, muss mit seinem Herzen und seiner Überzeugung hinter der Entscheidung stehen können. Rationale Erwägungen sind wichtig, aber sie allein genügen nicht. Die „Übung der zwei Stühle“ mit ihrem intuitiven Angang fördert eine kraftvolle ´Bauchentscheidung´. Man spürt während der „Stuhlsitzung“ deutlich entweder ein Unbehagen, oder man fühlt sich glücklich, zufrieden, sehnt sich einer der beiden Zukünfte zuversichtlich entgegen. Diese Technik dient der Klarheit und Bewusstwerdung von dem, was ´ich eigentlich will´. Und sie kann aus dem endlosen Abwägen der Argumente heraushelfen. „Kopf“ und „Bauch“ können zusammen kommen.

Keine Garantie gegen Fehlentscheidungen

Das Entscheidungsinstrument der „2 Stühle“ ist jedoch kein Garant dafür, dass dadurch nicht „Fehlentscheidungen“ getroffen werden. Entsprechend seinen inneren Gefühlen zu handeln, kann zu ´sehr unerwünschten Nebenwirkungen´ führen.
Martina z.B. musste einigen Monaten später nach Deutschland zurückkehren, weil sie die Hitze nicht ertragen konnte und ernsthaft krank geworden war.

War ihre mutige Entscheidung, nach Uganda zu gehen, deshalb eine Fehlentscheidung?
Was denken Sie dazu?

 
 
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4 Gedanken zu „Nach Uganda zu gehen – das ist aber eine mutige Entscheidung!“

  1. Ich denke, Martina weiß jetzt dass sie zum jetzigen Zeitpunkt die Hitze nicht verträgt. Da sie in Uganda war, weiß sie wie es dort ist. Sie kann sich jetzt wieder auf ihr Leben in Deutschland konzentrieren, ohne darüber nachzudenken, dass sie etwas verpasst hat. Später nimmt eine verpasste Chance oft eine falsche Dimension ein, die ihr nicht zu steht. So ist alles klar und kann abgehakt werden. Der Kopf ist frei.

    1. Liebe Christina,
      Sie haben recht. Ich trauere heute noch mancher Chance nach, die ich nicht beim Schopfe gepackt habe. Man muss dazu allerdings mit Mißerfolgen umgehen können, dass ist gar nicht so einfach, oder?

  2. Genau genommen gibt es ja keine Fehlentscheidungen. Man kann unzählige Informationen sammeln, sich mit dem Thema beschäftigen..was niemals den „Gang“ ersetzen wird. Nie wird man erfahren, wie es dort in der Situation ist. Menschen am Ende ihres Lebens bereuen seltener, was sie gemacht haben, als das, was sie vielleicht hätten tun können…und die Chance verpasst haben. Wer immer in seiner Komfortzone bleibt, lebt (meiner Meinung nach) nur halb. Und in der Situation von Martina kommt noch dazu: ihr Freund hat ihren guten Willen gesehen. An seiner Stelle würde ich es meiner Parnterin hoch anrechnen, dass sie es versucht hat und daraus schliessen, dass sie echte Gefühle hat..

    1. Liebe Maria,
      danke für Ihren Kommentar. Sie haben recht, jede mutige Entscheidung bringt letztlich etwas Gutes mit sich. Ich glaube, dass ich aber nicht den Mut gehabt hätte, an Martinas Stelle nach Uganda zu gehen. Meine Ansgt wäre zu groß gewesen, ich hätte irgendwie nach einem (faulen?) Kompromiss gesucht.

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