Die richtige Entscheidung treffen – aber was ist richtig?

richtige Entscheidung

„Wie kann ich die richtige Entscheidung treffen“ – diese Frage schafft in der Regel mehr Probleme als Lösungen. Denn was bedeutet „richtig“?

Vier problematische Vorstellungen

Oft ist mit der Frage nach dem „Richtigen“ die Vorstellung verbunden,

  1. dass es nur eine mögliche Entscheidung gibt, die es zu finden gilt,
  2. oder der Entscheider möchte das Risiko vermeiden, das in jeder Entscheidung liegt,
  3. oder es handelt sich um den alten Perfektionisten-Traum, „nur nichts falsch zu machen“,
  4. oder ein anderer mag mit der Frage nach dem „Richtigen“ ethisch-moralische Verantwortung verbinden; das ist jedoch häufig nur eine verkappte Form von „was sollen die anderen denken“.

Bei den allermeisten Entscheidungen sind diese Vorstellungen das eigentliche Problem. Die Suche nach der einen, perfekten Entscheidung ohne Risiko auf der Basis fester Werte führt in der Regel zur Entscheidungshemmung.

Entscheidungskriterium: Günstig oder ungünstig

Der Coach Jens Corssen stellt in seinem schönen Schweizer Deutsch die Entscheidungsfrage anders:
„Welcher Entscheid ist ´günschtig´ bzw. ´ungünschtig´ für meine Ziele?“

Oder anders gefragt: Was will ich und welche Entscheidung wird mir eher helfen, das zu erreichen (und welche Entscheidung eher nicht)?

Kann Luise ihre Mutter für einige Zeit allein lassen?

Luise hat nach ihrer Trennung längere Zeit allein gelebt. Jetzt hat sie jemanden Neues kennengelernt. Sie weiß noch nicht so recht, ob es etwas Ernsteres wird, aber es passt vieles zusammen. Sie erlebt mit Heinz vieles, was sie in der vergangenen Beziehung immer vermisst hat. Jetzt hat er sie zu einer Kreuzfahrt auf der Aida rund ums Mittelmeer eingeladen – für Luise geht ein Traum in Erfüllung, da es auch nach Ägypten zu den Pyramiden geht.

Aber sofort stellt sich für sie die Frage, ob sie so lange so weit weg sein kann. Denn ihre schwer depressive und an Alzheimer erkrankte Mutter ist seit zwei Jahren in einem Altersheim in der Nähe und es vergeht kein Tag, an dem Luise nicht nach der Arbeit die Mutter aufsucht und sie aufmuntert. Ist es richtig, die Mutter zwei Wochen einfach so allein zu lassen? Wie wird es der Mutter damit gehen? Was ist, wenn sie in dieser Zeit wieder einen Schlaganfall bekommt? Ist es nicht eine egoistische Entscheidung, wo die Mutter doch früher immer alles für Luise getan hat…Heinz ist enttäuscht, dass Luise nicht sofort zusagt, kann aber ihre Bedenken verstehen. Die Beziehung hat sich trotzdem abgekühlt…

Drei einfache Klärungsfragen

In ihrer Frage nach der richtigen Entscheidung sucht Luise Hilfe. In einem Gespräch wird ihr zunächst deutlich, wie sehr sie in die Frage nach „richtig und falsch“, nach „was wird, wenn“ und nach diffusen moralischer Verantwortungen verstrickt ist.
Sie lässt sich auf drei andere Fragen ein:

1. „Was will ich in meiner gegenwärtigen Lebenssituation?“
Die Antwort ist für Luise leicht: „Ich möchte wieder mit einem Partner leben und mir sicherer werden, ob das mit Heinz möglich ist“.

2. „Welche Entscheidung ist dafür günstig/hilfreich?“
Auch hier zögert Luise nicht: „Es ist ideal, mit Heinz auf die Kreuzfahrt zu gehen, dann kommen wir uns in entspannter Atmosphäre näher. Außerdem wollte ich mein ganzes Leben lang die Pyramiden sehen.“

Ausgesprochen und unausgesprochen steht jedoch die Frage nach der Fürsorge für die Mutter im Raum. Die nächste Frage an Luise ist deshalb:

3. „Welche Entscheidungen sind ungünstig für die Zielerreichung?“
Nach kurzem Zögern ist auch hier die Antwort von Luise klar: „Ungünstig ist es, wenn ich die ganze Zeit auf der Reise immer nur an meine Mutter denke, dann habe ich nichts von den Pyramiden und Heinz ist zwar verständnisvoll, aber so hat er sich das sicher auch nicht vorgestellt, dass meine Mutter quasi mitreist…Gut, ich könnte meine Schwester aus Stuttgart fragen, ob sie für ein verlängertes Wochenende in meine Wohnung kommt und die Mutter dann besucht. Außerdem kann ich die Frau M. fragen, die besucht auch regelmäßig ihren Vater im Heim, die hat auch schon mal öfter meine Mutter besucht und mit ihr etwas unternommen, wenn ich mal nicht konnte, außerdem ist sie im Heim ja auch super gut aufgehoben, die Pflegerinnen bemühen sich sehr um sie…“

Die Frage nach „günstig/ungüstig“ erleichtert Entscheidungen

Die Frage nach „richtig oder falsch“ führt oft in einen Sackgasse. Eine Entscheidung fällt unheimlich schwer. 
Die Frage nach „günstig und ungünstig“ dagegen klärt und aktiviert Lösungen.

Die Kreuzfahrt war ein Knaller

Die Kreuzfahrt war übrigens der Knaller. Die Sache mit Heinz hat Zukunft! Etwas traurig war es, dass wegen der politischen Unruhen in Ägypten die Pyramiden nicht angefahren werden konnten. Und Luise hat sich dabei ertappt, dass sie einige Tage gar nicht an ihre Mutter gedacht hat. Die Schwester und Frau M. habe sich derweil auch rührend um sie gekümmert.
 
 
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