Entscheidungen – Eine Lebenskrise meistern mit Schusterkugeln?

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Screeny / photocase.de

Entscheidungen in einer Lebenskrise

Helga sitzt seit Wochen in ihrem leergeräumten Wohnzimmer an einem alten Campingtisch. Vor drei Monaten hat ihr Mann ihr eröffnet, dass er mit einer anderen Frau in die USA ziehen wird. Nach dem ersten Schock hat Helga beschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen, schon gar nicht von einen Mann, mit dem sie 18 Jahre zusammen war und der sich mit einer Frau vom Acker macht, mit der er seit Monaten heimlich ein Verhältnis hat! Um Abstand zu gewinnen, trifft sie einige radikale Entscheidungen. Zum nächsten Sperrmüll räumt sie zunächst das Wohnzimmer und das Schlafzimmer komplett leer, verschenkt die Schränke und das gemeinsame Bett, spendet die Bücher für einen gemeinnützigen Basar zu Gunsten der Flüchtlingshilfe…Sie selbst richtet sich im Gästezimmer ein und holt Campingtisch und Stühle aus der Garage – als einziges Möbelstück im Wohnzimmer…Da Ihr gemeinsamer Sohn für drei Jahre bei einem Entwicklungsprojekt in Ecuador arbeitet, sitzt sie abends oft an in ihrem Campingstuhl und grübelt darüber, wie es jetzt weiter gehen soll: „Der Schlussstrich ist gezogen, aber was kommt jetzt? Welche Lebensperspektive habe ich noch? Kann ich mit meinen 43 Jahren noch mal ein neues Leben anfangen?“ Ihre guten Freundinnen vom Sport und die Arbeitskollegen fragen sie immer häufiger: Was willst du denn jetzt machen? Darauf findet Helga keine Antwort. Es bleibt ihr nur das Knarren des Campingstuhls…

Schusterkugeln?!

In früheren Zeiten lag die Werkstatt eines Schusters oft im Souterrain. Um etwas mehr Licht zu bekommen, stellte der Schuster kugelförmige Glasgefäße auf die Fensterbank. Sie wurden mit Wasser gefüllt und sorgten mit ihrer Lichtstreuung für helleres Licht im Raum. Auch in Situationen wie die von Helga gibt es mentale „Schusterkugeln“, die mehr Licht in die fruchtlosen Grübel-Schleifen bringen können.

Sieben Schritte zur Lösung mit Hilfe des „Schusterkugeln"- Experiments

1. Überdenken Sie entspannt und mit geschlossenen Augen nochmal das Problem: Wofür will ich eine Lösung finden? 2. Stellen Sie sich eine Fensterbank mit einigen Schusterkugeln vor. Werfen Sie einen Blick in die erste Kugel und erinnern sich: Wann hatte ich einen großen Erfolg? Wie kam es dazu? Welche Probleme habe ich dabei gemeistert? Was hat mir dabei geholfen? 3. Blicken Sie in eine andere Schusterkugel und denken daran, wie Sie eine ähnliche Situation wie die jetzige früher schon gemeistert haben? Wie und wodurch habe ich eine gute Lösung gefunden? 4. Auf dem imaginären Fensterbrett steht eine weitere leuchtende Kugel. Blicken Sie hinein. Stellen Sie sich dabei Lösungsmöglichkeiten für Ihr Problem vor. Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen, registrieren Sie alles, was Ihnen in den Sinn kommt, auch die verrückten Gedanken und Ideen. 5. Blicken Sie in die letzte Schusterkugel: Wie würden meine Freundinnen und Kollegen auf die imaginierten Lösungsideen reagieren? Wie mein Sohn? Wer würde mich bei der Verwirklichung unterstützen? Wer würde mir Steine in den Weg legen? 6. Betrachten Sie nochmals die vier Schusterkugel: Was haben Sie mir Neues gebracht? Worin wurde ich bestätigt? 7. Öffnen Sie nach einiger Zeit langsam die Augen. Notieren Sie sich kurz Ihre Eindrücke und Erkenntnisse.

(In Anlehnung an Königswieser/Exner, Systemische Interventionen, Klett-Cotta 2009)

Helga lässt sich auf das „Schusterkugeln“-Experiment ein

Als sie zum x-ten Mals das vertraute Knarren des Campingstuhls hört, beschließt Helga, sich auf die „Schusterkugeln“ einzulassen. Nach sie die Augen wieder geöffnet hat, schreibt mit Kuli nur ein Wort auf den Campingtisch – Arno. Seit 8 Jahren hat sie nicht mehr an ihn gedacht. Beim Blick in die dritte Kugel ist Arno ihr wieder in den Sinn gekommen. Sie hat Arno auf einer Tagung kennengelernt hat und beide haben heftig geflirtet. Er und sie fühlten sich mächtig zueinander hingezogen. In den Wochen danach haben sie häufiger miteinander telefoniert und SMS geschrieben. Sie haben sich noch einmal getroffen. Mit Tränen in den Augen haben beide beschlossen, wieder Abschied voneinander zu nehmen. Eine Trennung von ihren jeweiligen Partnern würden beide als verantwortungslos empfinden.
Jetzt steht „Arno“ blau auf weiß auf dem Campingtisch geschrieben. Wo mag er jetzt sein? Hat sich auch für ihn die Lebenssituation geändert? Helga holt sich ihren Labtop, um bei Google zu recherchieren, ob sich ein Lebenszeichen von ihm im Netz findet. Das heftige Knarren des Campingstuhls nimmt sie gar nicht wahr…

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