Entscheidungen treffen – „Ich glaube, du spinnst wohl!“

Fotonachweis: Pippilotta* / photocase.de
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Gandhi spinnt

* Mahatma Gandhi war ein indischer Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer und Asket. Die von ihm geführte Unabhängigkeitsbewegung führte mit gewaltfreiem Widerstand, zivilem Ungehorsam und Hungerstreiks schließlich das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien herbei.

„Gandhi* spinnt“, das waren die Kommentare derer, die nicht an seinen gewaltlosen Widerstand gegen die Kolonialherrschaft in Indien glaubten und lieber auf Gewalt vertrauten.
„Gandhi spinnt“, das waren die erstaunten Ausrufe derer, die ihn in seinem Ashram am Spinnrad arbeiten sahen.
Gandhi war ein Spinner im doppelten Sinne. Seinen berühmten „Salzmarsch“ begann er mit 78 Personen. Er endete nach knapp 400 km am Meer, wo Gandhi symbolisch sein eigenes Salz gewann. Ein gravierender Verstoß gegen das Monopol der Salzgewinnung. Hunderttausende folgten seinem Beispiel und stellten ihr eigenes Salz her; in der Folge wurden ca 50.000 Inder verhaftet. Diese und ähnliche Kampagnen führten letztlich zur Unabhängigkeit Indiens von der Kolonialherrschaft.
Die Ideen und die Tatkraft für solche Kampagnen entstanden am Spinnrad beim Spinnen von Wolle.
  

Vor welcher schwierigen Entscheidung stehen Sie?
Was würde es bedeuten, wenn Sie anfangen würden zu „spinnen“, also ungewöhnliche Lösungswege zu suchen?
Was könnte Ihr „Spinnrad“ sein?

 
 

„Ich glaube, du spinnst wohl“ –
diese Reaktion auf getroffene Entscheidungen ist zu selten!

Viele Entscheidungen sind deshalb „schwierig“, weil sich die Sicht des Entscheiders auf eine Alternative verengt hat („Entweder – Oder“):
Soll ich zu meinem Freund ziehen oder nicht?

Soll ich mich von meinem Partner trennen oder nicht?
Soll ich meine Arbeitsstelle wechseln oder bleiben, wo ich bin?
Soll ich mein Studienfach ändern oder weitermachen?
Soll ich an einem Ort bleiben, an dem es mir nicht gefällt?
Sollen wir ein Haus bauen oder bei den Eltern wohnen bleiben?

Für jede der Alternativen gibt es für den Entscheider gute Gründe. Die Entscheidung versinkt häufig jedoch langsam im Morast der eigenen Unentschiedenheit.
Typisch ist dann die Reaktion des eigenen Herzens und des Umfeldes: „Nun entscheide dich doch endlich!“
Praktisch nie sagen in solchen Situationen der eigene Bauch oder die vertrauten Menschen „Du spinnst doch“. Obwohl das ein hoffnungsvolles Zeichen wäre. Denn wer „spinnt“, hat Lösungen jenseits des Alternativ-Denkens gefunden!

Greta alternativlos?

Greta arbeitet im elterlichen Betrieb. Sie und ihr Mann Franz wohnen am Ort in einem Haus, das den Eltern gehört. In den letzten Jahren hat Greta in der Abendschule ihr Abitur nachgemacht. Franz hat eine gute Stellung in einer Bank. Franz möchte gerne Kinder. Greta ist zögerlich. Manchmal kommen ihr Zweifel, ob Franz der „Richtige“ ist. Ja, sie liebt ihn. Er ist ihr jedoch oft zu eingefahren und zu schweigsam. Die Arbeit im Familienbetrieb macht ihr Spaß, dennoch fühlt sie sich immer unter der Kontrolle des Vaters, der den Betrieb aufgebaut hat. Ein harmloser Flirt auf einer Messe rührt sie unerwartet ziemlich auf: Sie spürt, dass sie sich in ihrer kleinen Welt zugleich wohl und eingeengt fühlt. Über die Monate hin hat sie immer weniger Lust auf die Arbeit – und auch auf Franz. Denn egal wie viel sie nachts schlaflos neben Franz grübelt : Sie hat ja keine Alternativen. Wirklich?

Greta spinnt

Es kommt einiges zusammen, als Greta sich auf das Experiment einlässt, mal unabhängig von allen scheinbaren Zwängen und Ängsten ihre Möglichkeiten aufzuschreiben.
„Was könnte ich mir vorstellen, was wäre grundsätzlich für mich im Augenblick interessant?“
Ihr „Spinnrad“ ist dabei eine lange Fahrradtour, bei der sie am besten in Ruhe nachdenken kann. Anschließend notiert sie:
– Ich kann längere Zeit ins Ausland gehen
– Ich kann studieren
– Ich kann mich für ein Kind entscheiden
– Ich kann mir eine eigene Wohnung nehmen („Trennung auf Zeit“)
– Ich kann mit Franz zu einer Beziehungsberatung gehen
– Ich kann eine andere Stelle suchen
– Ich kann mit meinem Vater reden, dass er sich mehr und mehr aus bestimmten Bereichen zurückzieht und mich selbständiger arbeiten lässt

“Ich glaube, du spinnst“

So reagierte Franz, als Greta im von ihrem Plan erzählt, ein Wirtschaftsstudium zu beginnen.
So reagierte ihr Vater, als sie von ihren Plänen spricht, nur noch einen Tag in der Woche im Betrieb zu arbeiten. Greta nimmt das für sich als Zeichen, dass Sie auf einem guten Wege ist und eine echte Alternative gefunden hat. Sie handelt mit Franz aus, dass Sie dienstags bis donnerstags am Studienort übernachtet (bei einer Freundin). Mit dem Vater einigt sie sich darauf, dass sie freitags im Betrieb arbeitet. Für die anderen Tage stellt der Vater eine Aushilfskraft ein.
Als sie sich dann wirklich zum Wintersemester einschreibt, ist sie gerührt, dass ihr Vater ihr ein Auto kauft und die Miete für die Wohnung am Studienort übernimmt.

Spinni (bayrisch für ´spinne ich?´) als modernes "Spinnrad"

Als Einstieg ins „Spinnen“ kann das Buch von Anke Meyer-Grashorn, Spinnen ist Pflicht. Querdenken und Neues schaffen sehr gute Dienste leisten. Inspirierend für eine Entscheidungsfindung ist vor allem ihr „Spinni“. Dabei werden aus einer Liste mit Gegenständen, Adjektiven und Tätigkeiten jeweils ein Begriff ausgewürfelt: z.B. Krückstock – saftig – aufblasen. Welche Assoziationen kommen mir dazu? Welche Kombinationen und Ideen entstehen? Welche ungewöhnlichen Lösungsmöglichkeiten ergeben sich daraus für meine anstehende Entscheidung? PS. Mehr über Anke Myer-Grashorn

 

Grübeln Sie noch oder spinnen Sie schon?

 
 
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