Entscheidung für eine sichtbare Tätowierung – warum macht er das?

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Was findet Frank daran gut?

Barbara ist entsetzt. Ihr Partner Frank kommt an einem Samstag nach Hause und hat ein auffälliges Tattoo am Arm – ohne mit ihr vorher jemals darüber gesprochen zu haben. Sie kann es nicht begreifen, warum ein erwachsener Mann sich bei klarem Bewusstsein eine Tätowierung machen lässt! ´Ich finde es cool´, ist die Antwort von Frank. Damit kann Barbara nichts anfangen. Sie fragt immer wieder nach, bekommt aber keine andere Antwort, als dass er das eben schön findet. Argumente wie, dass das doch Kinderkram sein und er das eines Tages bereuen würde, berühren Frank nicht sehr. Er steht zu seiner Entscheidung. Barbara ringt sich dazu durch, dass Tattoo von Frank zu akzeptieren. Schließlich ist es sein Körper. Es bleibt bei ihr jedoch ein Unbehagen zurück: Warum macht Frank das, obwohl er genau weiß, dass sie das an ihm sehr stört?
Und es bleibt für sie rätselhaft, warum Frank ein Tattoo so wichtig ist: Ist es bloßer Körperschmuck? Ist es eine Moderescheinung? Ist es ein Zeichen dafür, zu einer Gruppe zu gehören? Ist es ein Versuch, unverwechselbar zu sein? Verleiht ein Tattoo Selbstvertrauen?

Tätowierungen sind selbstverständlich geworden

Man muss sich nur ein Spiel bei der Fußballweltmeisterschaft ansehen, um die Allgegenwärtigkeit von Tattoos aller Arten und Größen, bei Spielern aller Länder auf allen möglichen und scheinbar unmöglichen Körperteilen zu sehen.

Tätowierungen waren (und sind) lange Zeit ein Kennzeichen (und ein geheimer Code) für Strafgefangene gewesen. Später war es in der Gegengenkultur verbreitet. Inzwischen ist kaum ein prominenter Star ohne Tattoo (Beispiele dazu findet sich jede Woche im Zeit-Magazin als Rätsel-Frage: Welcher Prominente trägt das abgebildete Tattoo?

Nachhaltiges Körperstyling

Inzwischen ist ein Tattoo offensichtlich mehr als eine bloße Modeerscheinung. Es hat den Teenie-Status und den Star-Nachahmungs-Effekt längst verlassen. Es ist zu einer eigenen Möglichkeit geworden, sich selbst auszudrücken, zu gestalten, zu formen – jedoch mit Nachhaltigkeit. Kleidung, Frisur, Ohrringe, Styling lassen sich leicht ändern. Tattoos sind „dauerhaftes“ Körperstyling; es werden bleibende körperliche Veränderungen vorgenommen, die zum „Kennzeichen“ der eigenen Person werden.

Nach einem Jahr trennen sich Barbara und Frank

Zu einem Bruch kommt es, als Frank über einen Zeitraum von mehreren Monate immer weitere Tattoos machen lässt. Als sich schließlich eine Schlange aus Franks Hemdkragen an seinem Hals heraufschlängelt, wird es Barbara zu viel. Sie zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus.

Was ist passiert?

Barbara und Frank haben offensichtlich keine gemeinsame Basis finden können, um die persönliche Freiheit von Frank und die Toleranzbereitschaft von Barbara in Einklang zu bringen. Die Tattoos von Frank sind ein Auslöser für diese Erkenntnis.

Eine Frage bleibt

Welche Bedeutung hat ein Tattoo? Warum lässt sich jemand tätowieren?

Haben Sie eine Meinung / Erfahrung / Antwort auf Barbaras Frage: „Warum ist meinem Partner ein Tattoo so wichtig?“

 

Wenn ja, würde ich mich freuen, wenn Sie sich an einem Austausch darüber beteiligen würden. Schreiben Sie hier unter „Hinterlasse eine Antwort“. Ich bin gespannt auf Ihre Reaktion.

 
 
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Das Foto stammt von Thomas K. / photocase.de und zeigt keine im Text erwähnte Person
 
 

3 Gedanken zu „Entscheidung für eine sichtbare Tätowierung – warum macht er das?“

  1. Ja….in der Vergangenheit habe ich immer wieder verbale Auseinandersetzungen wegen Tatoos mitbekommen. Wenn sich sehr junge Menschen welche machen lassen- noch dazu an mehr oder weniger ständig sichtbaren Stellen- hat man als „älterer“ Mensch natürlich die Bedenken, dass es demjenigen später mal sehr leid tun könnte. Wenn mein Lebenspartner sich ein Tatoo machen lassen würde, obwohl er weiss, dass ich das nicht gut finde, wäre ich darüber sicher auch nicht gerade sehr erbaut. Aber gut. Wenn’s erst mal da ist, kann man es eh nicht mehr ändern…dann aber noch weitere…und dann zur „Krönung“ die Schlange…gut, ich hätte das auch als Aufforderung aufgefasst, mich zu trennen.
    Ich vermute, er wollte genau das damit provozieren. Männer sprechen (nach meiner Erfahrung) nicht gern das letzte „Trennungswort“…sie benehmen sich lieber so, dass eine Frau irgendwann nichts anderes übrig bleibt, als genau das zu tun. Auch hier kann ich nur vermuten, dass sie dann ja immer sagen können „SIE hat Schluss gemacht“…also: “ ich hab keine Schuld!“ Im Falle o.g. Frank kommt vielleicht dazu: das Kind im Manne will austesten, wie weit es gehen kann..“Mutprobe“…? sich selbst beweisen wollen: ich hab immer noch meinen eigenen Kopf/eigene Meinung …lass mir von meiner Partnerin nichts „verbieten“…? Altes Thema: du bist wie meine/deine Mutter!

  2. Tätowierungen (Tattoo klingt unter Tätowierten wie Abziehbild :-) sind zweifelsohne Ausdruck der Persönlichkeit, wenn sie wohl überlegt sind und nicht einfach aus deiner Laune heraus gestochen werden. Ich habe mir etwa zwei Jahre überlegt ob ich das wirklich will.

    Es war mir durchaus bewußt, dass ich als 80-jährige Oma dann auch noch tätowiert sein werde. Hätte ich damit ein Problem? Nach reiflicher Überlegung – nein. Ich habe mit meinem Mann vorher drüber gesprochen. Er war nicht begeistert, fand es aber gut, dass ich mit ihm geredet habe. Ich glaube eine Tätowierung im Gesicht wäre für ihn inakzeptabel. Habe ich aber aus eigenem Antrieb auch gar nicht vor.

    Bleibt noch die Frage warum man sich tätowieren läßt. Bei mir hatte es durchaus etwas mit dem Gedanken zu tun: Mein Körper gehört mir und ich kann damit machen was ich will. Meine Tätowierungen sind immer da. Sie dürfen beispielsweise bei einer OP mit, wohingegen Schmuck abgelegt werden muss. Niemand kann sie mir wegnehmen. Sie gehören zu mir.

    Der Phoenix auf meinem rechten Oberarm ist beim Blick in den Spiegel immer wieder Antrieb sich nicht unterkriegen zu lassen von Tiefschlägen. Immer wieder aufstehen, auch wenn der Aufprall hart war. Eine Tätowierung ist einfach nur schön, die andere hat Symbolik. Die rechte Mischung macht es. Wer sich die Konsequenzen wohl überlegt, der hat unabhängig von der Meinung des Partners das Recht sich Farbe unter die Haut stechen zu lassen.

    1. Hallo Evelyn,
      vielen Dank für Ihr hilfreiche Erklärung, warum Sie eine Tätowierung tragen und welche positive Wirkung das für Sie hat! Offensichtlich haben Sie sich den Schritt reiflich überlegt und mit Ihrem Mann auch eine Einigung gefunden.

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