Trennung vom Partner(in) – Angst die Entscheidung später zu bereuen

Angst-Trennung

Was ist, wenn ich mich von meinem Partner trenne und dann nach einiger Zeit merke, dass ich ihn doch noch liebe?

Dies ist die am häufigsten gestellte Frage, wenn es darum geht, sich von einem Partner zu trennen. Darin drückt sich die Angst aus, eine Entscheidung zu treffen, die sich im Nachhinein vielleicht als falsch herausstellt. Vor allem wenn ein „Neuer/eine Neue“ im Spiel ist, bei dem oder der sich erst noch herausstellen muss, ob die anfängliche Verliebtheit tatsächlich trägt. Im Augenblick sieht alles super aus, aber…
Oder fühle ich mich dann doch wieder zu dem „Alten/der Alten“ hingezogen, habe mir aber durch die Trennung alles verbaut? Denn so schlecht ist es ja jetzt auch nicht, obwohl…

Diese Gedanken der Angst drehen sich im Kreise und machen eine Entscheidung unmöglich. Fazit: „Ich bin entscheidungsschwach, ich kann mich einfach nicht entscheiden!“

Angst verengt


Die Angst davor, durch eine Trennung eine falsche Entscheidung zu treffen, verengt die Situation in der Regel auf zwei Entscheidungsalternativen: :

  • entweder trennen und vielleicht nie mehr einen so guten Partner finden wie den jetzigen,
  • oder in einer unbefriedigenden Beziehung bleiben, in der man/frau letztlich doch unglücklich ist.
  • entweder sich auf eine(n) Neue(n) einlassen, obwohl es viele Fragen gibt und ein kompletter Neuanfangs nötig wäre,
  • odervielleicht geht es in der bestehenden Beziehung doch wieder besser.

Dieses Entweder-Oder ist eine Verengung, die eine Entscheidung blockiert. Man/frau sitzt in der Entscheidungsfalle.

Marion in der Entscheidungsfalle

Seit 8 Jahren lebt Marion in einer Partnerschaft. Es geht so la,la. Richtig glücklich ist sie in den letzten Jahren nicht mehr gewesen. Ihr Partner Sebastian ist lieb und nett, aber es fehlt das Feuer. Die meiste Zeit verbringt er in der Garage und schraubt an seinen Motorrad. Wie anders ist da Jürgen! Sie hat ihn in einer Fortbildungsgruppe von der Firma aus kennengelernt. Beim zweiten Wochenendseminar hat es dann richtig gefunkt. Seitdem sehen sie sich alle vier Wochen am Wochenende (während der zweijährigen Fortbildung). Seit Monaten ist Marion hin- und hergerissen. Einerseits macht sie mit Jürgen Zukunftspläne über einen Neuanfang in einer anderen Stadt (obwohl er noch verheiratet ist), andererseits hat sie wahnsinnige Angst, sich von ihrem Partner Sebastian zu trennen. Wird sie solch einen Partner nochmal finden, wenn das mit Jürgen nichts wird und er sich doch nicht von seiner Frau trennt? Sie kann sich einfach nicht entscheiden.

Die Verengung auf zwei Alternativen ist häufig der Grund für das „Nicht-Entscheiden-Können“

Wenn über Wochen und Monate keine Entscheidung getroffen werden kann, ist das in der Regel ein wichtiges Zeichen: Beide Alternativen sind falsch! Deshalb ist eine Entscheidung oft unmöglich.
Es geht dann darum, eine dritte Entscheidungs-Möglichkeit zu finden.

Drei Entscheidungs-Alternativen

An andere Stelle habe ich schon über den Wert und die Notwendigkeit von drei Entscheidungsalternativen bei wichtigen Entscheidungen geschrieben.
Als Anleitung dazu kann das kleine Schema aus der Entscheidungstheorie hilfreich sein. Dabei werden drei Entscheidungsalternativen aufgeschrieben (!) und dargestellt nach

  • Inhalt (Kurz-Beschreibung der Alternative)
  • Nutzen (Wer hat davon welchen Nutzen?)
  • Notwendigen Ressourcen (Was „kostet“ das personell, materiell, finanziell…?)
  • Konsequenzen (Welche Auswirkungen hat das, welche Handlungen müssen erfolgen?)
  • Risiken (Welche „ungewollten“ Auswirkungen können eintreten?)


Wie sähen die drei Alternativen für Marion aus?

Trennung_Entscheidung

Marion entscheidet sich

Als Marion für sich die drei Alternativen aufschreibt, ist ihr ziemlich schnell klar, welche Alternative sie jetzt wählen wird. Sie wird es nochmal mit Sebastian versuchen und sich von Jürgen trennen. Sie erzählt ihm von Jürgen. Sebastian ist zunächst geschockt und verletzt. ER ist aber bereit, ein Partnerschaftscoaching zu beginnen. Als sie bei der nächsten Wochenendveranstaltung mit Jürgen über eine Trennung sprechen will, erlebt sie eine Überaschung. Jürgen eröffnet ihr, dass seine Frau schwanger ist und demnächst ein Kind erwartet. Irgendwie ist sie durch einen dummen Zufall auf die Affäre mit Marion gekommen und sie erwartet eine sofortige Beendigung der Beziehung…

Die Suche nach drei Alternativen entfaltet eine starke Dynamik

Bei folgenreichen Entscheidungen ist das Formulieren einer dritten Alternative nicht als die Suche nach einem „Kompromiss“ (der oft ´faul´ ist) zu verstehen. Vielmehr geht es darum, den Blick zu weiten und neue Entscheidungsalternativen zu entdecken. Oder auch darum, die bisherigen Alternativen ganz anders zu bewerten. Wer drei klare Entscheidungs-Alternativen formuliert hat, findet in aller Regel einen Weg aus der Entscheidungs-Lähmung. Die anstehende Entscheidung wird dadurch nicht leichter – aber sie wird getroffen!

 
 
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