Juttas Dilemma – und was würde Sigmund Freud tun?

TH S / Photocase.de
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Der Name „Sigmund Freud“ steht für eine ganze Reihe von psychotherapeutischen Verfahren, die tiefenpsychologisch orientiert sind. Der Klassiker ist die Psychoanalyse.

Grundannahmen der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass der Mensch in der Kindheit und im Laufe seiner Entwicklung bestimmte Prägungen erfährt. Diese entscheiden darüber, wie man mit Herausforderungen oder Konflikten umgeht. Psychische Erkrankungen können das Resultat nicht bewältigter Entwicklungsschritte, aber auch innerer Konflikte oder traumatischer Erlebnisse sein.

Das Vorgehen

Freie Assoziation
Der Therapeut nimmt bei der Behandlung eine neutrale Rolle ein.

Seine Aufgabe besteht darin, dem Patienten das Verdrängte bewusst zu machen. Das geschieht meist mit der Methode der freien Assoziation. Der Patient liegt typischerweise auf einer Couch, der Therapeut sitzt außerhalb seines Blickfeldes hinter ihm. Die Sitzungen verlaufen offen, der Patient erzählt, was ihm gerade einfällt. Auf diese Weise wiederholen sich während der Therapie typische Denk- und Beziehungsmuster des Patienten. Der Patient durchlebt dabei nochmals problematische Situationen in der Kindheit, die ins Unterbewusste abgeglitten waren bzw. dort „begraben“ wurden, um deren schmerzliche Wirkung zu vermeiden. Der Patient geht innerlich an jenen Punkt in seiner Entwicklung zurück, an dem die Störung eingesetzt hat, um von dort aus einen Neustart im Schutz der therapeutischen Beziehung zu versuchen. Dies ist nicht willentlich steuerbarer. Es ist ein Prozess, der sich erst im Laufe der Sitzungen einstellt.

daniel.schoenen / Photocase.de
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Frühkindliche Muster werden „nachgefühlt“
Es sollen die den aktuellen Beschwerden zugrunde liegenden unbewussten, frühkindlichen Konflikte bearbeitet werden. In diesem Verfahren unterstützen der Therapeut den Patienten, sich dieser Konflikte bewusst zu werden. Um die Auseinandersetzung mit den zunächst nicht bewussten frühkindlichen Konflikten zu ermöglichen, wird viel Wert darauf gelegt, dass der Patient möglichst frei und ohne Vorgaben in der Therapie berichten kann. Es besteht die Gelegenheit, in einem geschützten Raum („unsichtbarer Therapeut“, „Couch“) ohne Druck, Zwang und Scham in sich selbst hineinzusehen und die eigenen Gefühle zu beschreiben.

Wann besonders sinnvoll?

Die analytische Psychotherapie zielt also eher auf eine ganzheitliche Veränderung problematischer Muster aus der Vergangenheit ab. Sie ist angesagt, wenn die Problematik sich nicht durch die Bearbeitung von begrenzten Themen auflösen lässt, sondern eine umfassendere und intensivere Auseinandersetzung nötig ist. Die Behandlung findet an mehreren Sitzungen pro Woche über einen Zeitraum von mehreren Monaten statt.

Jutta geht zur Psychoanalyse

(Zur Erinnerung das Entscheidungs-Dilemma von Jutta)

Nachdem Jutta ihren Entscheidungskonflikt über mehrere Jahre hin nicht lösen konnte, stellten sich immer mehr Depression, Schlafstörungen und Panikattacken ein. Sie wurde krankgeschrieben und ihr Hausarzt hat sie schließlich an einen Psychotherapeuten überwiesen.
Den Therapeuten findet sie zunächst sympathisch und vertrauenserweckend. Aber je länger sie in den (aus ihrer Sicht nutzlosen) Sitzungen auf der Couch liegt, desto aggressiver wird sie gegenüber dem Therapeuten. Schließlich bricht es in einer Sitzung aus ihr heraus: „Sie lassen mich genau so hängen wie mein Vater“. Als der Therapeut nachfragt, bricht sie in Tränen aus. Unvermittelt kommt ihr eine Situationen hoch: Sie sieht sich mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einem Zimmer. Die Mutter droht, den zu Vater verlassen, doch der bekommt wieder eine seiner häufigen Anfälle und muss sich ins Bett legen; sie glaubt, dass er gestorben ist. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Und hat Wut auf die Mutter, dass sie den Vater „getötet“ hat.
Zum ersten Mal nach Monaten geht Jutta mit Erleichterung aus einer Sitzung. Sie weiß nicht warum, da sich ja an Ihrer Situation nichts geändert hat.

Die weitere Therapie dreht sich darum, welche Auswirkungen dieses bisher vergessene und verdrängte Erlebnis auf ihr Leben hatte. Sie spürt auf der Couch Situationen nach, in denen sie sich nicht entscheiden konnte…

In der gleichen Woche wartet der Liebhaber mit der Überraschung auf, dass die Scheidung von seiner Frau jetzt amtlich ist.

Auf der „Couch“ malt sie sich immer wieder aus, wie es wäre, wenn sie ihrem Mann eröffnen würde, dass sie sich trennt…
An einem Sonntagabend im Dezember führt sie schließlich das Gespräch und der Mann zieht in eine eigene Wohnung…

Haben Sie Erfahrungen mit der Psychoanalyse gemacht?

Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen teilen, indem Sie einen Kommentar schreiben.
 
 
 

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